Höchster Stand seit 2008 US-Inflation steigt auf fünf Prozent – und setzt Notenbank unter Druck

Es wird teurer: Erstmals seit 2008 ist die Inflationsrate in den USA über fünf Prozent gestiegen. Neben der Coronapandemie ist daran auch der Halbleitermangel schuld.
US-Börse New York Stock Exchange: Die US-Inflation steigt auf fünf Prozent

US-Börse New York Stock Exchange: Die US-Inflation steigt auf fünf Prozent

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Die Inflation in den USA steigt stärker als ohnehin schon erwartet. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Lebenshaltungskosten um 5,0 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Das ist die höchste Rate seit August 2008. Noch im April betrug die Inflationsrate 4,2 Prozent, bereits dieser Wert war höher ausgefallen als von Experten erwartet. Für den Mai waren die Analysten lediglich von einem Anstieg auf 4,7 Prozent ausgegangen.

»Die gefürchtete Fünf ist Realität geworden«, sagte Thomas Altmann von QC Partners. Dies sei der höchste Wert seit 2008. Der starke Anstieg belegt eindrücklich, dass der Preisschub im April kein Ausrutscher war, sagte auch LBBW-Analyst Dirk Chlench. »Die US-Notenbank gerät damit zunehmend unter Druck, ihre Ansicht, dass die jüngsten Preissprünge nur temporärer Natur seien, zu überdenken.«

Die Kerninflation ohne oft schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel betrug im Mai verglichen mit dem Vorjahresmonat 3,8 Prozent. Einen derart starken Anstieg hatte es zuletzt 1992 gegeben. Im April hatte die Kerninflationsrate bei 3,0 Prozent gelegen, Analysten hatten für Mai mit 3,5 Prozent gerechnet.

Mit den aktuellen Preisdaten wird zwar die Zielinflation der US-Notenbank (Fed) von zwei Prozent weiter deutlich übertroffen. Allerdings signalisierte die Notenbank Fed bereits, auf den Preisanstieg vorerst nicht reagieren zu wollen. Sie betrachtet die Entwicklung als übergangsweises Phänomen und orientiert sich aktuell wieder stark am Arbeitsmarkt. Der monatliche Arbeitsmarktbericht enttäuschte aber zuletzt.

Analysten wollen Preisanstieg nicht überbewerten

Analysten wollten den Preisanstieg im Mai ebenfalls nicht überbewerten. »Auch wenn uns höhere Inflationsraten noch etwas länger begleiten werden, es handelt sich im Wesentlichen um Sondereffekte der Coronapandemie«, schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Es brauche eine gewisse Zeit, ehe sich der aufgewirbelte Preisstaub wieder lege. Der US-Dienstleistungssektor laufe vielerorts wieder im Normalmodus, Preise für Flugreisen und Hotelübernachtungen zögen wieder an.

Gleichzeitig schlage nun auch der Mangel an Halbleitern zumindest indirekt auf die Konsumentenpreise durch. Gebe es wegen fehlender Halbleiter keine Neuwagen, wichen die Kunden auf Gebrauchtwagen aus, sagte Gitzel. Und so stiegen im Monatsvergleich die Preise für gebrauchte Autos und Lastkraftwagen besonders stark. Allein diese Kategorie ist dem Arbeitsministerium zufolge für rund ein Drittel des monatlichen Preisanstiegs verantwortlich.

hba/dpa/Reuters
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