USA Obama plant Offensive gegen Kreditkarten-Schulden

Den Amerikanern wachsen ihre Schulden über den Kopf. Präsident Obama plant nun konkrete Aktionen gegen zu hohe Kreditkartengebühren - um eine neue Finanzkrise zu verhindern. Die aktuellen Konjunkturaussichten haben sich erneut verschlechtert.


Washington - US-Präsident Barack Obama will verhindern, dass immer mehr Amerikaner wegen hoher Kreditkartenschulden in Bedrängnis geraten. Er werde dagegen vorgehen, dass Kreditkartenfirmen hohe Gebühren bei Vertragsabschluss verschleiern und anschließend außerordentlich hohe Zinsen verlangen, sagte Obamas Wirtschaftsberater Lawrence Summers am Sonntag dem Fernsehsender NBC.

US-Präsident Obama: Süchtige Konsumenten
REUTERS

US-Präsident Obama: Süchtige Konsumenten

"Es muss aufhören, dass Menschen durch die Vermarktung süchtig nach Kreditkarten werden", forderte Summers. Zuvor hatte bereits US-Notenbankchef Ben Bernanke mehr Klarheit bei der Kreditvergabe angemahnt.

Summers und andere Regierungsvertreter wollen sich am Donnerstag mit den Chefs der führenden Kreditkartenunternehmen treffen. Die Branche ist zuletzt in die Kritik geraten, weil sie einerseits vom Staat finanziell gestützt wird, ihre Kunden aber zunehmend durch hohe Gebühren und Zinsen unter Druck kommen. Die Ausfallraten bei American Express und der US-Bank JP Morgan Chase, dem größten Anbieter von Visa-Karten, waren zuletzt deutlich gestiegen.

Kreditkarten haben in den USA oft eine andere Funktion als in Deutschland, wo sie vor allem als Zahlungsmittel eingesetzt werden und Ausgaben direkt vom Konto abgebucht werden. In Amerika sind Kreditkarten dagegen auch ein Mittel der Verschuldung.

Unterdessen sorgen neue makroökonomische Daten für Verunsicherung. So fiel das US-Konjunkturbarometer im März stärker als erwartet. Der Index, der aus zehn wichtigen Wirtschaftsindikatoren besteht, ging um 0,3 Prozent zurück, teilte das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft in New York, am Montag mit.

"Die Rezession könnte den Sommer über andauern, aber ihre Stärke wird abnehmen", kommentierte der Institutsexperte Ken Goldstein. Zwar zeigten sich im April "sporadische Zeichen einer Verbesserung", doch genüge dies nicht zur Erholung, meinte Goldstein.

Ökonomen hatten für März einen Rückgang von lediglich 0,2 Prozent erwartet. "Es gibt bei den allgemeinen Wirtschaftsbedingungen einfach noch keine Erholung, trotz allen Gasgebens durch monetäre Maßnahmen und Konjunkturprogramme", meinte ein Finanzexperte in New York.

wal/Reuters/dpa



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