USA Preissturz provoziert Deflationsängste

Die Lebenshaltungskosten in den USA fallen im Rekordtempo: Binnen eines Monats stürzten sie um 1,7 Prozent ab, der größte Rückgang seit Beginn der Datensammlung 1947. Manche Experten fürchten jetzt eine Deflation - zumal auch die anderen Wirtschaftsdaten schlecht sind.


Washington - Wegen billigerer Energie sind die Lebenshaltungskosten in den USA erneut stark gesunken. Von Oktober auf November fielen die Verbraucherpreise überraschend deutlich um 1,7 Prozent, teilte das Arbeitsministerium mit. Einen solchen Rückgang hatte es seit Beginn der Aufzeichnungen vor 61 Jahren nicht gegeben.

Ölhändler in New York: Energiepreise im freien Fall
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Ölhändler in New York: Energiepreise im freien Fall

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten nur einen Rückgang um 1,2 Prozent erwartet. Schon das Ein-Prozent-Minus im Oktober war Rekord.

Insgesamt lagen die Preise im November noch 1,1 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist - das allerdings entspricht der geringsten Teuerungsrate seit Mitte 2002.

Vor allem sinkende Energiekosten drückten die Preise. So hatte der Ölpreis Mitte Juli ein Rekordhoch von rund 148 Dollar je Fass (159 Liter) erreicht und ist inzwischen wieder auf rund 45 Dollar abgesackt. Energie in den USA kostete im Schnitt 17 Prozent weniger. Dies war der stärkste Rückgang seit 1957. Tanken war für die US-Bürger fast 30 Prozent günstiger.

Streit über Deflationsrisiko in den USA

Experten streiten jetzt, ob die Daten eine drohende Deflation signalisieren - also einen Preisverfall auf breiter Front über einen längeren Zeitraum (mehr auf SPIEGEL WISSEN...). "Ich glaube, wir sind in einer Deflationsspirale, die sich wahrscheinlich bis irgendwann ins kommende Jahr hineinzieht", sagte Thomas di Galoma von der Investmentbank Jefferies & Co. Steve Goldman von Weeden & Co. hingegen teilt diese Sorge nicht: "Es ist eine von der Energie getriebene Zahl. Das ist kein wahrer Maßstab für die Wirtschaft."

Allerdings geben auch die anderen Wirtschaftsdaten in den USA wenig Anlass zur Hoffnung. So brachen die Wohnbaubeginne im November um fast 19 Prozent ein. Die Baugenehmigungen stürzten um 15,6 Prozent ab. Beide Statistiken fielen schlechter als von Analysten erwartet aus. "Das spiegelt wider, wie schlecht es um die Wirtschaft bestellt ist", sagte ein Beobachter. "Es gibt kein Anzeichen einer Stabilisierung. Die Hoffnung, wir könnten die Talsohle erreicht haben, schwindet", erklärte ein anderer.

Wegen billigerer Energiekosten sinken nun zwar die Verbraucherpreise im Rekordtempo. Dies sei für die Verbraucher erfreulich, da es ihre Kaufkraft stärkt, erklärte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. Die Stagnation bei den Preisen in ihrer Kernrate - ohne Energie und Lebensmittel - könnte dagegen Deflationsbefürchtungen neue Nahrung geben, hieß es weiter.

Die Blicke richten sich nun auf die anstehende Zinskorrektur am Dienstagabend. Von der US-Notenbank Fed wird eine Halbierung des Leitzinses auf 0,5 Prozent erwartet. "Aber mit niedrigeren Zinsen allein lässt sich die Wirtschaft nicht wieder in Schwung bringen", sagte ein Händler.

suc/Reuters



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