Hohe Inflation US-Wirtschaft im ersten Halbjahr geschrumpft – Arbeitsmarkt aber stabil

Schwache Konjunktur, hohe Inflation: Die USA leiden unter ähnlichen Problemen wie Europa. Noch herrscht aber keine Rezession – auch wegen des überraschend starken Arbeitsmarkts.
Passanten in der Nähe der Federal Reserve Bank in New York

Passanten in der Nähe der Federal Reserve Bank in New York

Foto: Mary Altaffer / AP

Für die US-Wirtschaft war es keine gute Jahreshälfte – sie ist im ersten Halbjahr geschrumpft. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um auf das Jahr hochgerechnet 1,6 Prozent im ersten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 0,6 Prozent zurück, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Damit wurden vorläufige Zahlen bestätigt.

Der Rückgang im zweiten Vierteljahr ist laut Ministerium vor allem mit geringeren Lagerbeständen und Investitionen der Unternehmen sowie rückläufigen öffentlichen Ausgaben zu erklären. Gestützt wurde die Entwicklung hingegen durch die Exporte und die Ausgaben der Verbraucher.

Arbeitsmarkt ist robust

Mit zwei Minusquartalen in Folge sind eigentlich die Bedingungen erfüllt, dass Ökonomen von einer Rezession sprechen können. Fachleute bezweifeln allerdings, dass dies derzeit der Fall ist. Ein wichtiges Gegenargument ist der robuste Arbeitsmarkt. Ungeachtet dessen wird die US-Wirtschaft durch mehrere Entwicklungen gebremst, darunter die hohe Inflation und die starken Zinsanhebungen der Notenbank Federal Reserve.

US-Wachstumszahlen werden auf das Jahr hochgerechnet, also annualisiert. Sie sind daher nicht direkt mit Wachstumsdaten aus Europa vergleichbar, wo darauf verzichtet wird. Um näherungsweise auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.

Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich in der vergangenen Woche überraschend verbessert. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ging um 16.000 auf 193.000 zurück, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Die Zahl der Hilfsanträge liegt damit erstmals seit Anfang Juni wieder unter 200.000. Obwohl die US-Wirtschaft zuletzt also schrumpfte, bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt der größten Volkswirtschaft der Welt robust.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gelten als kurzfristiger Indikator für die Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarkts. Trotz der Konjunkturschwäche klagen derzeit viele Unternehmen über einen Mangel an Arbeitskräften. Die US-Notenbank Fed orientiert sich in ihrer Geldpolitik stark an der Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Sie hat den soliden Arbeitsmarkt als Argument gegen eine tiefe Rezession angeführt und will mit starken Zinserhöhungen die hohe Inflation in den Griff bekommen.

ani/dpa
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