Corona-Pandemie USA mit Rekordwachstum nach tiefem Sturz

Der tiefe Fall im Frühling macht's möglich: Die US-Wirtschaft ist im Sommer in einem Rekordtempo gewachsen. In der zurückliegenden Woche beantragten allerdings 700.000 Menschen Arbeitslosenhilfe.
Arbeiter in Miami: Die Exporte legten im Sommer kräftig zu

Arbeiter in Miami: Die Exporte legten im Sommer kräftig zu

Foto: Joe Raedle/ Getty Images

Wenige Tage vor der Wahl bekommt US-Präsident Donald Trump durch neue Konjunkturzahlen Rückenwind. Nach dem Corona-bedingten Einbruch im Frühjahr legte die US-Wirtschaft im Sommer wieder kräftig zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Juli bis September auf das Jahr hochgerechnet um 33,1 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Ein Rekordtempo. Mit solch einem starken Wachstum hatten selbst Experten nicht gerechnet - trotz des starken Einbruchs im Frühjahr.

Die Berechnungsmethode der US-Statistiker unterscheidet sich aber stark von der, mit der etwa das deutsche Wirtschaftswachstum gemessen wird. In den USA wird berechnet, wie stark die Wirtschaftsleistung steigen würde, wenn das Wachstum ein Jahr lang so anhalten würde. Im Vergleich zum Vorquartal legte die Wirtschaftsleistung um 7,4 Prozent zu. Dieser Wert lässt sich eher mit den Zahlen aus Deutschland vergleichen.

Der Konsum erwies sich im Sommer als Motor des Aufschwungs. Er legte auf das Jahr hochgerechnet um 40,7 Prozent zu. Im Frühjahr war wegen der Kontaktbeschränkungen und steigender Arbeitslosigkeit noch ein Minus von 33,2 Prozent verzeichnet worden. Auch die Exporte und Investitionen legten kräftig zu.

Auch wenn sich im Sommer eine konjunkturelle Besserung abzeichnete: Die Corona-Pandemie ist in den USA noch lange nicht ausgestanden, die Zahl der Infizierten steigt dort nach wie vor stark. Seit deren Beginn haben sich fast 8,9 Millionen der 330 Millionen Amerikaner mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesopfer nach einer Infektion liegt bei mehr als 227.000. Entsprechend steigt die Angst vor einem erneuten Rückschlag für die Wirtschaft. Dies setzte zuletzt auch der Wall Street zu.

Arbeitslosenquote bei zehn oder elf Prozent

Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt zeigt, dass die Wirtschaft des Landes derzeit nicht gesund ist. In der Woche bis zum 24. Oktober lag die Zahl der Erstanträge bei 751.000, rund 40.000 weniger als in der Vorwoche, wie das Arbeitsministerium mitteilte.

Die Neuanträge spiegeln die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts in der weltgrößten Volkswirtschaft wider. Unmittelbar vor der Corona-Pandemie hatte die Zahl meist bei rund 200.000 pro Woche gelegen. Die Arbeitslosenquote war im September auf 7,9 Prozent zurückgegangen. Die Oktober-Daten werden erst Ende nächster Woche veröffentlicht.

Die Arbeitslosenquote erfasst aber nicht alle Menschen, die derzeit keinen Job haben und gern arbeiten würden. Die Zentralbank Federal Reserve geht daher davon aus, dass die wirkliche Arbeitslosenquote derzeit wohl eher bei zehn oder elf Prozent liegt.

In der Woche bis 10. Oktober erhielten nach Angaben des Arbeitsministeriums 22,6 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosenhilfe. Ein Jahr zuvor waren es in der gleichen Woche nur 1,4 Millionen Menschen gewesen. Vor der Zuspitzung der Pandemie im März hatte die Arbeitslosenquote bei niedrigen 3,5 Prozent gelegen.

yes/Reuters/dpa
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