Utz Claassen "Manager sollen weniger Golf spielen"

Faul, geldgierig, machtbesessen: Ex-EnBW-Chef Utz Claassen wettert gegen deutsche Führungskräfte - und lässt dabei kein Klischee aus. Die Manager müssten gegebenenfalls seltener Rotwein trinken, rät er.


Berlin - Schlag gegen den eigenen Berufsstand: Der ehemalige Chef des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, hat deutsche Top-Manager attackiert. Viele Führungskräfte seien nicht fleißig genug, um wirklich zu verstehen, was in ihren Firmen vor sich geht, sagte Claassen der Zeitung "Die Welt". Sie müssten "gegebenenfalls weniger Golf spielen oder seltener Rotwein trinken".

Ex-EnBW-Chef Utz Claassen: "Mangelnde Bereitschaft zur Hinterfragung"
ddp

Ex-EnBW-Chef Utz Claassen: "Mangelnde Bereitschaft zur Hinterfragung"

Selbstverständlich habe nicht jeder deutsche Manager eine laxe Einstellung zur Arbeit, räumt Claassen ein. Für mehr als ein Drittel der Führungskräfte gelte dies aber.

Auch die Finanzkrise ist laut Claassen auf die unfähigen Manager zurückzuführen. Die "mangelnde Bereitschaft zur Hinterfragung" habe die Krise verursacht, sagte er. Auch seien vielen Manager Status und Geld wichtiger als die Herausforderung der Aufgabe. "Geld wird anscheinend ausgerechnet für diejenigen immer bedeutender, die es am wenigsten brauchen, weil sie so viel davon haben", sagte der ehemalige EnBW-Chef. "Viele Manager sind irgendwann stärker von Macht, Status und Geld motiviert als von der Gestaltungsmöglichkeit und der Herausforderung der Arbeit."

Kritik an der eigenen Person lässt Claassen allerdings nicht gelten: Er wies Vorwürfe zurück, bei seinem Millionen-Prozess gegen seinen Ex-Arbeitgeber spiele Gier eine Rolle. "Bei meinem Prozess gegen die EnBW geht es nicht um Gier, sondern um Vertrauen und Wahrheit."

Der heute 46-Jährige klagt gegen die Einstellung seiner Pensionszahlungen. Claassen erhält Berichten zufolge knapp 400.000 Euro pro Jahr an Übergangsgeld - nachdem er 2007 aus dem Unternehmen ausgeschieden war. Die Zahlungen waren demnach bis zum Alter von 63 Jahren vereinbart worden.

Die Höhe seines Gehalts als Chef des viertgrößten deutschen Strom- und Gaskonzerns von rund vier Millionen Euro für 2004 hatte einst Diskussionen ausgelöst. Claassen hatte seine Bezüge als einer der ersten Manager veröffentlicht, obwohl EnBW damals noch nicht dazu verpflichtet war.

yes/AFP



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