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BLUMENHANDEL Vage Versprechen

Europas führende Blumenhändler, die Niederländer, bauen ihre Marktstellung aus: Die israelischen Konkurrenten mußten Marktabsprachen zustimmen.
aus DER SPIEGEL 46/1980

Fünf Holländer reisten nach Tel Aviv und redeten Tacheles -- offenbar gekonnt.

Denn die Abgesandten des niederländischen Blumenauktions-Verbandes VBN, die Ende Juni mit dem Flower Board of Israel verhandelten, schafften ganz Erstaunliches: Sie zwangen den Israelis ihren Willen auf.

Das Ergebnis der tagelangen Sitzungen sind genaue Absprachen über Preise und Mengen der Nelken, die Israel in die Europäische Gemeinschaft verkaufen darf. Der Markt ist aufgeteilt.

Bis Muttertag 1981 dürfen die Israelis höchstens 121 Millionen Nelken zu S.112 den Auktionen in Holland, den wichtigsten Umschlagplätzen, fliegen. Sinken die Preise trotz dieser Mengenbeschränkung unter ein festgelegtes Niveau, müssen sie die Exporte ganz einstellen.

Damit die Holländer auch alles unter Kontrolle behalten, müssen die israelischen Exporteure zudem einmal pro Woche in Den Haag melden, wieviel Nelken und zu welchen Preisen sie direkt etwa in Deutschland abgesetzt haben. Denn gerade dieser Direkthandel unter Umgehung der Auktionen in den Niederlanden stört die holländischen Blumenhändler seit langem.

Für ihre Zugeständnisse handelten sich die Israelis nur vage Versprechen ein. So wollen die Holländer für ihre Geschäftsfreunde ein gutes Wort einlegen, falls die EG-Kommission alle Blumenimporte in die Gemeinschaft stoppen sollte. Die Zusage gilt indes nur, solange »die Vereinbarung zur Zufriedenheit beider Seiten besteht«.

Damit haben die Niederländer, die führenden Blumenhändler Europas, den mit Abstand wichtigsten Konkurrenten außerhalb der EG fest in der Hand. Die Israelis mußten sich fügen, weil sie das blühende Geschäft auf dem wichtigen deutschen Markt, den sie über S.114 die Flughäfen Frankfurt und Köln-Bonn beliefern, nicht aufgeben wollten.

Rund fünf Milliarden Mark geben die Deutschen jährlich für Blumen aus. Im Schnitt hat jeder Bürger fast einen Hunderter für Zimmer- und Grabschmuck übrig. Die Bundesrepublik ist überdies das bedeutendste Importland für Ziergewächse aller Art.

Schnittblumen für den deutschen Markt kommen zu über zwei Dritteln aus Holland, daneben zählen vor allem Italien, Israel, Kenia oder Kolumbien. Jahr für Jahr wurde mehr importiert, zuletzt für 1,3 Milliarden Mark; die heimischen Gärtner haben nur für etwa 0,8 Milliarden Mark geliefert.

Die Niederländer, seit Jahrzehnten im Blumenanbau und im Handel führend, haben in Aalsmeer bei Amsterdam den größten Blumenmarkt der Welt aufgebaut. In ganz Holland wird pro Jahr Schnittware für rund 1,5 Milliarden Gulden (etwa 1,4 Milliarden Mark) versteigert. Die drei deutschen Konkurrenzveranstaltungen am Niederrhein in Neuss, in Wesel und Straelen schaffen zusammen nicht einmal ein Zehntel.

Die Niederländer, so klagen die deutschen Großgärtnereien, könnten einfach billiger produzieren, weil der Staat kräftig hilft. In der Tat dürfen die Holländer ihre Gewächshäuser mit Gas heizen, das der Staat ihnen zu einem Sondertarif bietet.

Die niederländischen Gärtner geben daher für Heizung nicht einmal die Hälfte dessen aus, was die Deutschen zahlen müssen. Der Kostenvorteil: etwa 300 Millionen Mark im Jahr.

Deutsche Gewächshäuser dagegen werden mit dem teuren und ständig teurer werdenden Öl beheizt. Vergeblich haben die deutschen Produzenten im Verein mit französischen, belgischen und dänischen Konkurrenten die EG-Kommission in Brüssel gedrängt, die Subvention der Niederländer zu beseitigen.

Vergeblich auch hat sich das Bonner Landwirtschaftsministerium in Den Haag und Brüssel beschwert. Die Holländer haben zwar den Erdgaspreis ein wenig angehoben, nebenbei aber den Sondertarif für ihre Gärtner noch günstiger gestaltet.

Nach dieser Schlappe scheinen die Bonner nun offenbar erst einmal abzuwarten, wieweit die Holländer ihre Machtposition noch ausreizen wollen. In den harten Absprachen mit den Israelis jedenfalls sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium »nur ein privatrechtliches Selbstbeschränkungsabkommen, das die Bundesrepublik nicht berührt«.

Weit gefehlt. Die Niederländer haben Ende vergangenen Jahres bereits einmal vorgeführt, wie solche Abkommen zu verstehen sind: Als ihnen die Nelken zu billig wurden, mußten die Israelis ihren gesamten Export nach Europa kurzfristig zu stoppen.

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