Tarifstreit Ver.di beklagt gewerkschaftsfeindliche Stimmung bei Lufthansa-Streiks

Mit Streiks zu Urlaubsbeginn setzte Ver.di auf robuste Weise hohe Lohnforderungen gegen die Lufthansa durch. Jetzt beklagt Ver.di-Chef Werneke die kritische Stimmung gegenüber der Gewerkschaft.
Gestrichene Lufthansa-Flüge: Weit überdurchschnittlicher Tarifabschluss

Gestrichene Lufthansa-Flüge: Weit überdurchschnittlicher Tarifabschluss

Foto: Bodo Marks / dpa

Zu Beginn des Pilotenstreiks hat Ver.di-Chef Frank Werneke eine zunehmend gewerkschaftsfeindliche Stimmung bei Tarifauseinandersetzungen in der Luftverkehrsbranche beklagt. Beim vergangenen Tarifkonflikt für das Lufthansa-Bodenpersonal sei es stellenweise sogar zu Morddrohungen gekommen, sagte Werneke der »Augsburger Allgemeinen«.

Er akzeptiere Kritik an seiner eigenen Person, betonte der Ver.di-Chef. Im Rahmen des Tarifkonflikts bei der Lufthansa sei jedoch in Teilen der Öffentlichkeit versucht worden, ein Klima zu erzeugen, im dem das Grundrecht auf Streiks angegriffen worden sei. »Ich empfand es als sehr bedrückend, dass Menschen, die auf unserer Seite in dem Lufthansa-Streik Verantwortung übernommen haben, bedroht wurden«, sagte der Ver.di-Chef.

Die Dienstleistungsgewerkschaft hatte Ende Juli mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der Lufthansa fast komplett lahmgelegt. Mit einem weit überdurchschnittlichen Tarifabschluss legte die Lufthansa den Tarifkonflikt dann bei. Das Ergebnis beinhaltete einen Inflationsausgleich und zusätzlich eine Reallohnerhöhung.

Drehkreuze besonders betroffen

An diesem Freitag wollen die Piloten der Lufthansa mit einem ganztägigen Streik den Flugbetrieb ihres Unternehmens lahmlegen. Die Airline hat angesichts der Drohung nahezu das komplette Programm der Kerngesellschaft gestrichen. Betroffen sind rund 130.000 Passagiere von mehr als 800 Flügen, die an den Drehkreuzen Frankfurt und München ausfallen.

Bestreikt werden laut der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit ausschließlich die Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie der Lufthansa Cargo von deutschen Flughäfen. Die Tochtergesellschaften Eurowings, Lufthansa Cityline und Eurowings Discover sind von dem Aufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen. Gleiches gilt für ausländische Lufthansa-Töchter wie Swiss, Austrian oder Brussels.

Auch Lufthansa-Flüge von nicht deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind. Ziel der Flugplaner ist ein reibungsloser Neustart nach dem Streik am Samstag. Es handelt sich um das letzte Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Die Gewerkschaft hatte den Streik in der Nacht zum Donnerstag ausgerufen, nachdem Tarifverhandlungen mit der Lufthansa gescheitert waren. Die Lufthansa hat den Streikaufruf kritisiert und die VC aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Vereinigung Cockpit verlangt neben 5,5 Prozent mehr Geld in diesem Jahr einen automatisierten Ausgleich oberhalb der Inflation ab 2023. Dazu kämen eine neue Gehaltstabelle sowie mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Training. Auf eine Laufzeit von zwei Jahren würde das nach Unternehmensangaben eine Mehrbelastung von 900 Millionen Euro bedeuten.

Laut Lufthansa würden die Forderungen der VC die Personalkosten im Cockpit um 40 Prozent erhöhen. Dies sei selbst ohne Rücksicht auf die finanziellen Folgen der Coronakrise außerhalb des Vertretbaren. Zuletzt habe das Unternehmen eine Erhöhung der monatlichen Grundvergütung um pauschal 900 Euro angeboten. Bezogen auf die Laufzeit von 18 Monaten würde das Zuwächse von 18 Prozent für Berufsanfänger und 5 Prozent für Kapitäne in der Endstufe ergeben, teilte die Lufthansa mit.

mik/dpa-AFX
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.