Ver.di-Streik 5000 Lufthansa-Mitarbeiter legen Arbeit nieder

Arbeitskampf an den größten deutschen Flughäfen: Das Boden- und Kabinenpersonal der Lufthansa streikt. Noch läuft der Flugverkehr normal - das könnte sich jedoch bald ändern, warnt die Gewerkschaft.


Hamburg - Bislang ist der Streik harmlos für die Passagiere - fragt sich nur noch wie lange: "Es wird zu spüren sein, das ist überhaupt keine Frage", sagte Ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott dem ZDF-"Morgenmagazin". Die Folgen des Arbeitskampfs werden ihm zufolge erst im Laufe des Tages bemerkbar. Derzeit haben nach Angaben der Gewerkschaft bundesweit bis zu 5000 Mitarbeiter die Arbeit an deutschen Flughäfen niedergelegt.

Flughafen Frankfurt am Main: Am Morgen streikten nur 150 Mitarbeiter
DPA

Flughafen Frankfurt am Main: Am Morgen streikten nur 150 Mitarbeiter

Ver.di hat für den ersten Tag des unbefristeten Arbeitskampfes von Boden- und Kabinenpersonal Hamburg und Frankfurt am Main als Schwerpunkte auserkoren. Allerdings soll auch an anderen Standorten die Arbeit niedergelegt werden.

Obwohl der Streik den Flugverkehr noch nicht durcheinandergebracht hat, ist Verhandlungsführer Ott zufrieden: Die Gewerkschaft wolle die Lufthansa treffen, nicht die Passagiere. Wenn die Fluggesellschaft nun den Flugverkehr mit dem Einsatz zusätzlicher Aushilfskräfte aufrechterhalte, koste sie das mehr Geld.

Die Gewerkschaft will für rund 50.000 Beschäftigte am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit durchsetzen. Lufthansa hatte 6,7 Prozent bei 21 Monaten Laufzeit sowie eine Einmalzahlung angeboten.

Gestrichene Flüge gab es an diesem Morgen in Frankfurt am Main (Flug LH 3180 um 7.10 Uhr nach Moskau), Hamburg (LH 41 nach München, LH 4660 nach Amsterdam) und München (LH 4070 nach Florenz). Der Konzern gibt an, dass diese Annullierungen allerdings nichts mit dem Streik, sondern mit anderen Gründen zu tun hätten.

In Frankfurt am Main sind alle Mitarbeiter der Lufthansa am Boden und in der Kabine dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Um 5.30 Uhr traten zunächst etwa 150 Mitarbeiter aus dem Bereich Cargo für 24 Stunden in den Streik, sagte ein Ver.di-Sprecher. Mittlerweile sind jedoch insgesamt bis zu 2500 Mitarbeiter in den Ausstand getreten - unter anderem etwa 200 Beschäftigte der Frachttochter, mehr als 900 aus dem Catering und 600 Techniker.

Über den eher verhaltenen Streikbeginn am Morgen in Hamburg sagte eine Sprecherin: "Das fängt alles erst an." In der Hansestadt streiken nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di etwa 1.500 Mitarbeiter unter anderem in der Technik, im Catering und der Logistik. Die Zahl der Streikenden soll sich laut Ver.di im Laufe des Tages verdoppeln. Seit 4 Uhr blockieren Streikende die Technikwerft am Flughafen.

In München war ab 5 Uhr die Frühschicht beim Catering-Unternehmen Gate Gourmet zu einem Warnstreik aufgerufen, genauso in der Niederlassung in Zeppelinheim bei Frankfurt am Main. Ver.di erwartete Verspätungen bei den belieferten Fluggesellschaften. Auch Mitarbeiter aus Technik und Service streiken in München. Ein Sprecher von Ver.di sagte, die Beteiligung in der Technik liege bei 100 Prozent. Von der Arbeitsniederlegung erhofft sich die Gewerkschaft die größte Wirkung, da nicht gewartete Maschinen nicht starten dürfen.

Auch an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Hannover und Leipzig soll Lufthansa-Personal streiken. Welche Flüge im weiteren Lauf des Tages ausfallen könnten, ist noch unklar. Betroffene Passagiere können sich unter der Lufthansa-Hotline 0800/8506070 oder im Internet über Flugausfälle informieren.

Die Lufthansa will die Folgen für die Passagiere so gering wie möglich halten: Bei Flugausfällen wird umgebucht, außerdem soll die Bahn Passagiere auf innerdeutschen Strecken transportieren. Möglicherweise werden auch andere Firmen für das Catering eingesetzt.

Die Tarifverhandlungen zwischen Ver.di und der Lufthansa finden unabhängig von dem Tarifkonflikt bei den Piloten statt. Die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (Ufo) hatte erklärt, ihre Mitglieder würden sich nicht am Streik beteiligen. Stattdessen wolle man in der eigenen nächsten Tarifrunde 15 Prozent mehr Geld verlangen.

Bereits am 1. Juli hatte Ver.di mit einem Warnstreik den Druck auf die Fluggesellschaft erhöht. Bundesweit führte die mehrstündige Aktion laut Lufthansa zu 44 gestrichenen Flügen und 30 Verspätungen. Bei einem 36-Stunden-Streik von Piloten zweier Lufthansa-Töchter waren vor einer Woche rund 900 Flüge ausgefallen.

cvk/dpa/ddp/AFP/AP

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