Verblüffende Statistik US-Wirtschaft wächst nicht - sie explodiert

Die US-Wirtschaft sei im dritten Quartal um 7,2 Prozent gewachsen, meldeten Statistiker vor einem Monat, und schon diese Zahl erschien sagenhaft hoch. Nun mussten sie ihre Daten noch einmal korrigieren - nach oben.


US-Metropole L.A.: Hoffnungen wachsen wieder in den Himmel
AP

US-Metropole L.A.: Hoffnungen wachsen wieder in den Himmel



Washington - 8,2 Prozent ist der aktuelle Wert, mit dem das US-Handelsministerium den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal nun beziffert. Die Zahl ist so hoch, dass sie eher zu einem Schwellenstaat wie Malaysia zu passen scheint als zur reifen US-Ökonomie.

Nachdem US-Präsident Bush seit langem wegen mangelnder Erfolge in der Wirtschaftspolitik in der Kritik stand, hat die US-Volkswirtschaft nun den größten Sprung seit nahezu 20 Jahren gemacht. Ein noch größeres Plus hatte es zuletzt im ersten Quartal 1984 gegeben - damals wuchs das BIP um neun Prozent.

Nominal wuchs das Bruttoinlandsprodukt gar um zehn Prozent auf einen annualisierten Wert von 11,06 Billionen US-Dollar. Das Volkseinkommen (BIP ohne Lagerbestände) stieg um acht Prozent, der stärkste Anstieg in den vergangenen 25 Jahren. Die Gewinne der Unternehmen wuchsen im Berichtszeitraum um 10,6 Prozent.

Zufall oder Bushs Verdienst?

Der Wachstumsschub resultiert zum einen aus der Stärke des privaten Konsums. Die Haushalte in den USA gaben im dritten Quartal 6,4 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Dies war der höchste Anstieg in den vergangenen sechs Jahren. Die Konsumausgaben waren damit für 5,6 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums verantwortlich. Die Steuersenkungen der Bush-Regierung gelten als eine Ursache der wachsenden Konsumlust.

Die Wachstumsraten in Deutschland wirken im Vergleich dazu geradezu armselig. Dennoch ist der Abstand nicht ganz so groß, wie es scheint. Denn die US-Statistiker rechnen auch Größen wie etwa Qualitätssteigerungen oder Produktivitätsverbesserungen in das Wirtschaftswachstum mit ein, auch wenn sie nicht mit Preisveränderungen einhergehen. Die so berechneten Dollar-Milliarden existieren also zumindest teilweise nur auf dem Papier und stehen nicht für Konsum oder Investitonen zur Verfügung.

In der Vergangenheit hat die Deutsche Bundesbank bereits in einem ihrer Monatsberichte auf diesen Umstand hingewiesen. Experten gehen davon aus, dass etwa ein Drittel des in der amtlichen Statistik ausgewiesenen Wirtschaftswachstums auf solchen Berechnungen beruht.



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