Verbraucher Viel Zuversicht trotz weniger Geld

Trotz Steuersenkungen haben viele Bundesbürger 2005 nicht mehr Geld in der Tasche gehabt als 2004. Die Anhebung der Kranken- und Pflegekassenbeiträge machten das Plus mehr als wett. Trotzdem - der Blick nach vorn ist zuversichtlicher denn je.


München/Berlin - Zahlreiche Arbeitnehmer mit niedrigeren Einkommen mussten sogar Kürzungen beim Nettoverdienst hinnehmen. Das geht aus Muster-Berechnungen des Bundes der Steuerzahler hervor, wie die die Wirtschaftszeitung "EURO am Sonntag" berichtet.

Danach erhielt ein lediger Angestellter ohne Kind mit einem monatlichen Bruttolohn von 2500 Euro 1499,08 Euro netto ausgezahlt. Ein Jahr zuvor waren es noch 1502,19 Euro gewesen. Grund laut Steuerzahlerbund unter anderem: der höhere Pflegebeitrag für Kinderlose. Selbst viele Verheiratete mit Kindern kamen 2005 trotz der dritten Stufe der Steuerreform schlechter weg als 2004. So verdiente ein Ehepaar mit einem Kind und einem Bruttolohn von 3500 Euro im Monat 2305,26 Euro netto (Steuerklasse III/1). Damit hatte die Familie monatlich knapp sieben Euro weniger als im Vorjahr. Wesentlicher Grund: höhere Krankenkassenbeiträge.

Mehr Geld gab es dagegen für Haushalte mit deutlich höherem Einkommen. So erzielte ein verheiratetes Ehepaar mit zwei Kindern und einem Gesamtbruttoeinkommen von 10.000 Euro pro Monat im abgelaufenen Jahr 5629,12 Euro Nettoverdienst (Steuerklassen III/2 und V). Im Vorjahr waren es rund 80 Euro monatlich weniger gewesen.

Vertrauen in die Konjunktur wächst

Wegen der durchwachsenen Bilanz der Steuerreform hegen die Deutschen auch nur noch geringe Hoffnungen, was die Verbesserung ihrer finanziellen Situation betrifft. Der Indikator Einkommenserwartung steigt im Dezember leicht um 1,6 Punkte auf einen Wert von minus 11,3. Damit setzt sich der charakteristische Zick-Zack-Kurs der letzten Monate fort. Der Indikator Anschaffungsneigung dagegen legt im Dezember um 10,2 Punkte auf einen Wert von 2,1 zu. Er liegt damit erstmals seit Ende 2001 wieder im positiven Bereich.

Weit zuversichtlicher verfolgen die Deutschen die Entwicklung der Konjunktur . Zum Jahresende legt der entsprechende Indikator um 20,5 Punkte kräftig zu und setzt damit die seit Mitte 2005 anhaltende Aufwärtsentwicklung fort. Mit einem Wert von 11,9 liegt er jetzt deutlich im positiven Bereich.

Angesichts der insgesamt positiven Entwicklung der Einzelindikatoren der Verbraucherstimmung steigt auch der Wert des Konsumklimaindikators. Für Januar 2006 prognostiziert er - nach revidiert 3,4 Punkten im Dezember - einen Wert von 3,8 Punkten. Damit haben sich die Chancen auf eine etwas positivere Entwicklung des privaten Konsums im neuen Jahr leicht verbessert.



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