Verbraucherschützer empfehlen Kunden sollen Gasrechnung kürzen

Der Streit um die hohen Energiekosten spitzt sich zu. Jetzt fordern Verbraucherschützer die Gaskunden auf, ihre Rechnung nicht komplett zu bezahlen. Nur so könne man der Marktmacht der Konzerne begegnen.


Düsseldorf/Bonn – Solange ein Versorger seine Preiskalkulation nicht offen legt, habe er keine Chance, den gekürzten Betrag vor Gericht einzuklagen, erklärte der Bund der Energieverbraucher. Die riesigen Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen regionalen Gasversorgern bewiesen, dass die Anbieter den fehlenden Wettbewerb zu überhöhten Preissteigerungen missbraucht hätten, betonte der Verband. Rund 500.000 Kunden hätten bei ihren Strom- und Gasrechnungen bereits Abschläge vorgenommen.

Vor wenigen Tagen hatte das Bundeskartellamt eine bundesweite Liste veröffentlicht und Preisdifferenzen beim Gas von bis zu 60 Prozent festgestellt. Kartellamtschef Ulf Böge will nun Aufklärung über die enormen Unterschiede. "Ich denke, dass eine Reaktion nötig sein wird", sagte Böge. "Das bedarf sicher der Aufklärung."

Teures Gas: Das Kartellamt will die großen Preisunterschiede in Deutschland genau untersuchen
DPA

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Verbraucherschützer forderten unterdessen, den Energiekonzernen die Verteilernetze zu entziehen. So sagte Aribert Peters, der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, es sei höchste Zeit, die großen Energiekonzerne zu entflechten und die Transportnetze zu verstaatlichen. Deutschland müsse dazu von der EU gezwungen werden, weil das Land zu einer entsprechenden Änderung nicht in der Lage sei. Eine solche Änderung liege im Interesse der Verbraucher. Überhöhte Energiepreise führen nach Einschätzung des Verbandes zu jährlichen Mehrbelastungen für die Verbraucher von über 20 Milliarden Euro.

Auch die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller, kritisierte die Preispolitik der Energieriesen. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung sprach sie von einer massiven Beherrschung des Marktes und forderte den Staat auf, den Unternehmen die Verteilernetze zu entziehen. "Die riesigen Preisunterschiede beim Gas belegen den fehlenden Wettbewerb." Deshalb müssten den Konzernen die Netze weggenommen und für Wettbewerber geöffnet werden.

Der Energieriese E.on Chart zeigen wies die Kritik an den großen Konzernen zurück. "Es ist reine Polemik, wenn selbsternannte Energieexperten bewusst mit Fehlinformationen Stimmung gegen uns machen", sagte ein Konzernsprecher.

E.on sei nicht dafür verantwortlich, wenn das Gas von Stadtwerk A teurer sei als das von Stadtwerk B. Die Gründe für solche Differenzen seien in erster Linie die jeweiligen Kostenstrukturen der regionalen und städtischen Versorger.

Der Sprecher betonte, dass E.on die Gaspreise für Stadtwerke zum 1. Januar gesenkt habe. "Wenn der Trend beim Ölpreis anhält, können wir die Großhandelspreise voraussichtlich zum 1. April nochmals senken", erklärte er. Ob und wie die Stadtwerke die Preissenkungen an ihre Kunden weitergeben, sei aber deren Entscheidung.

wal/dpa



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