Verbraucherschutz Energiekonzerne sollen bei Mängeln an Kunden zahlen

Wenn über längere Zeit der Strom ausfällt oder der neue Gasanschluss auf sich warten lässt, sollen Verbraucher nach dem Willen der Bundesnetzagentur eine Entschädigung erhalten. Das sieht ein Entwurf der Aufsichtsbehörde vor.


Bonn/Berlin - Strom- und Gaskunden sollen nach dem Willen der Bundesnetzagentur künftig bei Servicemängeln der Energieversorger Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung haben. Ein "Strafenkatalog" im Entwurf zur "Anreizregulierung" fordert für schlechten Service, überlange Wartezeiten und mangelhafte Zuverlässigkeit Zahlungen an die Kunden von bis zu 40 Euro je Fall.

Stromzähler: Bei Stromunterbrechungen  von mehr als 18 Stunden soll eine Entschädigung fällig sein
DPA

Stromzähler: Bei Stromunterbrechungen  von mehr als 18 Stunden soll eine Entschädigung fällig sein

Mit seiner Einführung ist allerdings frühestens 2008 zu rechnen, wie eine Sprecherin der Behörde heute betonte. Sie bestätigte damit einen Bericht des Wirtschaftsmagazins "Euro".

Ein nicht eingehaltener Termin mit dem Kunden soll die Energieversorger danach künftig 30 Euro kosten. Muss ein Kunde länger als acht Arbeitstage auf einen Neuanschluss warten, hat er Anspruch auf 25 Euro. Im Fall einer Stromunterbrechung von mehr als 18 Stunden ist sogar eine automatische Zahlung von 30 Euro ohne Aufforderung seitens der Kunden vorgesehen. 40 Euro werden demnach fällig, wenn nach einer Lieferunterbrechung wegen ausbleibender Zahlungen das Licht nicht spätestens einen Tag nach Zahlungseingang wieder angeknipst wird. Teuer wird es für die Unternehmen auch, wenn sie sich mit Reparaturen oder der Erstellung von Angeboten zu viel Zeit lassen.

Bis der von der Bundesnetzagentur geplante "Strafenkatalog" in Kraft treten kann, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zurzeit haben die Energieversorger Gelegenheit, zu dem 234-seitigen Entwurf der Behörde Stellung zu nehmen. Danach wird die Bundesnetzagentur ihren Entwurf noch einmal überarbeiten und anschließend der Bundesregierung als Grundlage für eine Verordnung zur Verfügung stellen. Morgen berät das Bundeskabinett über die Pläne.

Bei ihrem Entwurf für den "Strafenkatalog" hat sich die Behörde nach eigenen Angaben an der Praxis in anderen europäischen Ländern orientiert. Die geplanten Strafzahlungen richteten sich in der Regel am Durchschnitt der in Europa üblichen Bußen aus und enthielten zusätzlich einen "Sicherheitsabschlag", heißt es im Entwurf. Ziel sei es dabei nicht so sehr, die Servicequalität generell zu verbessern, sondern besonders schlechte Qualität im Einzelfall zu verhindern.

Die Einführung eines derartigen "Strafenkatalogs" erscheine geboten, um zu verhindern, dass der wachsende Kostendruck zu unzulässigen Einsparungen bei erforderlichen Investitionen, Instandhaltungsmaßnahmen oder Serviceangeboten führe, hieß es bei der Behörde.

kaz/AP/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.