Verdacht auf Datenmissbrauch Staatsanwälte ermitteln gegen Textildiscounter Kik

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt gegen die Kik. Der Textildiscounter steht im Verdacht, gegen das Bundesdatenschutzgesetz verstoßen zu haben. Er hat eingeräumt, mehrfach Informationen über die Verschuldung seiner Mitarbeiter eingeholt zu haben.


Bönen/Düsseldorf - Die Reaktion folgte prompt: Am Dienstag hatte der Textildiscounter Kik eingeräumt, über die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mehrfach Informationen über die Verschuldung seiner Mitarbeiter eingeholt zu haben.

Kik-Filiale in Duisburg: Personalabteilung ließ Beschäftigte überprüfen
AP

Kik-Filiale in Duisburg: Personalabteilung ließ Beschäftigte überprüfen

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen den Modediscounter aus Bönen wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Das Ermittlungsverfahren sei aufgrund einer Strafanzeige der nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten eingeleitet worden, sagte eine Justizsprecherin am Mittwoch in Dortmund.

Eine kik-Mitarbeiterin hatte sich bei der Datenschutzbeauftragten darüber beklagt, dass das Unternehmen bei der Auskunftei Creditreform regelmäßig Bonitätsauskünfte über Mitarbeiter einhole. Die Datenschutzbeauftragte hatte den Vorgang prüfen lassen und den Anfangsverdacht einer Straftat gesehen.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sprach von "schwierigen Rechtsfragen", die eine sorgfältige Untersuchung erforderlich machten.

Die "Ostfriesen-Zeitung" und der im ostfriesischen Rhauderfehn erscheinende "General-Anzeiger" hatten am Dienstag aus einem internen Schreiben der Kette zitiert. Demnach fragt die Kik-Personalabteilung "viermal jährlich, und zwar im März, im Juni, September und Dezember" Daten wie die Kreditwürdigkeit der Belegschaft bei der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ab. Über die Ergebnisse solcher Anfragen hätten die Kik-Verkaufs- und Bezirksleiter "automatisch im Folgemonat eine Auswertung" mit allen Mitarbeitern erhalten, für die ein negativer Eintrag vorliege.

Nach Angaben von Kik dienten die Abfragen gleichermaßen dem Schutz der Mitarbeiter und des Unternehmens. So sollte sichergestellt werden, dass Mitarbeiter "mit negativen Einträgen nicht in sensiblen Arbeitsbereichen - wie zum Beispiel für Kassiertätigkeiten - eingesetzt werden".

Der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen SPD, Michael Groschek, bezeichnete das Vorgehen von Kik als "diskriminierend". Die Schutzrechte der Arbeitnehmer müssten sich gerade in der Krise bewähren, betonte Groschek in Düsseldorf: "Das gilt auch für den Datenschutz."

KiK, ein Tochterunternehmen des Einzelhandelskonzerns Tengelmann, betreibt derzeit 2700 Filialen in sechs Ländern Europas und beschäftigt rund 18.000 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2007/2008 betrug 1,4 Milliarden Euro.

ssu/AP/dpa



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