Verdacht auf Steuerhinterziehung Zumwinkel auf freiem Fuß - Haftbefehl ausgesetzt

Die Staatsanwaltschaft hat Klaus Zumwinkel auf freien Fuß gesetzt - weil er kooperationsbereit ist und einen hohen Geldbetrag als Sicherheit hinterlegt. Dem Post-Chef wird Steuerhinterziehung vorgeworfen, Ermittler sicherten in Razzien massenhaft Material - und gehen gegen weitere Beschuldigte vor.

Bochum - Es war kurz und knapp, was der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum den wartenden Journalisten heute Nachmittag mitteilte: Er bestätigte die Ermittlungen gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel - aber auch gegen andere Beschuldigte, die bisher nicht mit Namen genannt wurden.

Zumwinkel (r.) vor seiner Villa: Sicherheitsleistung "in namhafter Höhe"

Zumwinkel (r.) vor seiner Villa: Sicherheitsleistung "in namhafter Höhe"

Foto: Getty Images

"Zumwinkel steht im Verdacht, Steuern in Höhe von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben", sagte der Sprecher. Da Zumwinkel aber Angaben zur Sache gemacht habe, sei der Haftbefehl gegen eine Sicherheitsleistung "in namhafter Größe" außer Vollzug gesetzt worden. "Das heißt, Herr Zumwinkel ist wieder nach Hause gefahren."

Zumwinkel war am späten Vormittag nach einer Steuerrazzia in seinen Privat- und Büroräumen mit der Polizei zur Bochumer Staatsanwaltschaft gefahren. Durchsucht wurden die Wohn- und Büroräume, weil ihm Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein vorgeworfen wird. Dieses Steuersparmodell soll Zumwinkel, der sich selbst als Multimillionär bezeichnet, schon seit Mitte der achtziger Jahre praktizieren. Das Vermögen der Stiftung betrug zuletzt mehr als zehn Millionen Euro. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegte, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.

Kurz nach Zumwinkel verließ auch dessen Anwalt das Haus. Wenige Minuten später trugen Ermittler Kisten mit Unterlagen aus der Villa, die sie anschließend in die Kofferräume ihrer Autos verstauten.

Einzigartiges Ermittlungsverfahren

Das Verfahren hat eine ungekannte Dimension. Noch nie wurde ein Dax-Konzernchef vor laufender Kamera aus seiner Villa abgeführt. Zumwinkel ist der dienstälteste Chef eines Dax-Unternehmens, er leitet die Post seit 18 Jahren.

Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels wird bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. In diesem Fall soll es um Millionen in Liechtensteiner Stiftungen gehen. Eine anonyme Anzeige hatte dieses Steuerverfahren ausgelöst.

Zumwinkel ist einer der einflussreichsten Strippenzieher unter den Dax-Konzernchefs. Er sitzt den Aufsichtsräten der Postbank und der Telekom vor. Er hegt Pläne, die Postbank mit einem anderen Institut, etwa der Deutschen Bank, zu fusionieren und so eine Mega-Bank zu gründen. Damit wollte sich Zumwinkel einen glanzvollen Abgang verschaffen. Daraus wird nun wohl nichts. Die Post selbst hält ihren Vorstand trotz der Ermittlungen gegen den Konzernchef für "voll handlungsfähig", wie ein Sprecher sagte. "Die Geschäfte laufen normal."

Hinter den Kulissen gibt es aber offenbar schon Vorbereitungen für die Zeit nach Zumwinkel. Laut "Financial Times Deutschland" hat Vorstandsmitglied Frank Appel vorerst die Führung des Konzerns übernommen. Appel stimme sich dabei mit Aufsichtsratschef Jürgen Weber ab, berichtet die Zeitung auf ihrer Internet-Seite. Der 46-jährige Appel ist seit 2002 Logistikvorstand der Post und designierter Nachfolger von Zumwinkel, der seinen Posten bis Ende des Jahres ohnehin aus Altersgründen abgeben wollte.

Die Deutsche Post wies den Bericht zurück. "Wir dementieren Spekulationen, dass Herr Zumwinkel zurückgetreten ist", sagte eine Unternehmenssprecherin. An der Börse kursierte das Gerücht, dass der Manager wegen der Ermittlungen bereits zurückgetreten sei. "Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre er nicht mehr als Vorstandsvorsitzender tragbar", sagte ein Börsianer.

Zumwinkel schon im Dezember in der Kritik

Erst im vergangenen Dezember war Zumwinkel ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als er unmittelbar nach der Verabschiedung des Post-Mindestlohn-Gesetzes ein umfangreiches Aktienpaket abgestoßen hatte. Der Kurs der Papiere war nach der Verabschiedung deutlich gestiegen. Zumwinkel verdiente an dem Verkauf zwar mehrere Millionen, musste sich aber hinterher für sein Verhalten entschuldigen.

Die Post selbst hat heute zwar ein Ermittlungsverfahren gegen ihren Vorstandschef bestätigt, will sich derzeit aber nicht näher zu den Umständen und zur Lage nach den Durchsuchungen äußern. Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte die Durchsuchungen in Bonn und Köln "wegen eines Steuerstrafverfahrens".

Nicht äußern wollte sich die Bundesregierung: Die Angelegenheit sei Sache der Staatsanwaltschaft. "Das haben wir nicht zu kommentieren", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Ähnlich äußerte sich ein Vertreter des Finanzministeriums. Der Bund ist nach wie vor größter Einzelaktionär der Post.

Die Börse reagierte uneinheitlich auf die Nachricht des Ermittlungsverfahrens: Während die Aktie der Deutschen Post in der ersten Stunde nach Handelsbeginn um fast fünf Prozent nach oben sprang, rutschten die Papiere der Postbank mit 0,88 Prozent leicht ins Minus. Offenbar spekulieren die Anleger auf einen neuen Post-Chef - sehen aber einen möglichen Verkauf der Postbank kritisch.

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