Verdacht auf Untreue Staatsanwälte durchsuchen KfW-Zentrale

Jetzt hat die umstrittene 319-Millionen-Euro-Überweisung an die Pleitebank Lehman Brothers juristische Folgen: Beamte von Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt durchsuchen die Geschäftsräume der staatlichen KfW-Gruppe in Frankfurt. Der Verdacht: Untreue.


Frankfurt am Main - Gut einen Monat ist die Panne her, jetzt hat sie Konsequenzen: Nach eigenen Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Ermittlungsverfahren gegen die Vorstände der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. Grund ist eine von der KfW am 15. September 2008 getätigte Überweisung von 319 Millionen Euro an die zu diesem Zeitpunkt bereits insolvente US-Bank Lehman Brothers.

KfW-Zentrale in Frankfurt: Staatsanwaltschaft geht Verdacht gegen Manager nach
DPA

KfW-Zentrale in Frankfurt: Staatsanwaltschaft geht Verdacht gegen Manager nach

Mit dem Verfahren will die Staatsanwaltschaft feststellen, ob die Verantwortlichen der Bank ihre Vermögensbetreuungspflichten "in strafrechtlich relevanter Weise verletzt haben", teilte die Behörde mit. Dies wäre der Fall, wenn sie, trotz des Wissens um die sich abzeichnenden Liquiditätsprobleme bei der US-amerikanischen Bank und vor dem Hintergrund der beginnenden internationalen Bankenkrise, die Überweisung in dreistelliger Millionenhöhe nicht verhindert haben.

Bereits Anfang Oktober hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft angekündigt zu prüfen, ob der Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt und ob Ermittlungen gegen Vorstände eingeleitet werden müssen. Schon wenige Tage nach der Lehman-Pleite Mitte September seien die ersten Anzeigen eingegangen, hieß es damals. Die Ermittler baten die KfW daraufhin, Revisions- und Wirtschaftsprüfberichte im Zusammenhang mit der Millionen-Überweisung zu übersenden.

Die KfW hat den Ermittlern laut Staatsanwaltschaft nach Bekanntgabe des Durchsuchungsbeschlusses umfassende Unterstützung und Kooperation bei der Aufklärung des Sachverhaltes zugesichert. "Die KfW wird für die Ermittlungen alle von der Staatsanwaltschaft erbetenen Informationen und Dokumente zur Verfügung stellen", sagte ein Sprecher der Förderbank. Das BKA hat die polizeilichen Ermittlungen übernommen.

Dass die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen in finanziellen Schwierigkeiten steckte, war schon vor ihrer Insolvenz bekannt. Die KfW hatte die Überweisung deshalb als "Fehleinschätzung" und "Panne" bezeichnet. Das Geld war am 15. September, einem Montag, am Morgen überwiesen worden. Nach Angaben der Bank habe man am Freitag davor das Risiko des langfristigen Devisengeschäfts noch nicht erkannt. Eine Beobachtung der Lage am Wochenende wurde nicht beschlossen.

Die zuständige Abteilung habe zwar für den Montagmorgen eine weitere Sitzung angesetzt - aber rund eine Stunde vorher sei die Überweisung ausgeführt worden. In der Folge der Panne wurden die beiden Vorstände Detlef Leinberger und Peter Fleischer fristlos entlassen, außerdem musste der Bereichsleiter Risikomanagement, Rainer Hartje, gehen.

sam/ddp/Reuters



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