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Metallgesellschaft Verdacht erhärtet

aus DER SPIEGEL 4/1995

Hat Deutsche-Bank-Vorstand Ronaldo Schmitz doch früher, als er behauptet, von den umstrittenen Ölgeschäften der Metallgesellschaft (MG) gewußt? Eine Chronologie der Ereignisse, die vor wenigen Wochen von der New Yorker Anwaltskanzlei Kaye, Scholer, Fierman, Hays & Handler im Auftrag der MG erstellt worden war, spricht für diese These. John Rolls von der Deutschen Bank in New York hat, so heißt es in dem Papier der Kanzlei, bereits am 6. Dezember 1993 offenbar im Auftrag von Schmitz über die Neubesetzung der MG-Chefposition in den USA verhandelt. Er offerierte diesen Posten Karl von der Heyden vom amerikanischen Konzern RJR Nabisco. Schmitz wurde angeblich erst Tage später über das wahre Ausmaß des Öldesasters informiert. Nicht einmal MG-Vorstand Hans-Werner Nolting, der am 17. Dezember 1993 den Verwaltungsratsvorsitz der MG-Tochter in den USA übernahm, wußte von dem Einstellungsgespräch. So ernannte Nolting den langjährigen New Yorker Mitarbeiter Joseph Rinaldi zum neuen Präsidenten der MG Corp. - für ganze drei Tage. Am 20. Dezember unterzeichnete von der Heyden seinen Vertrag, Rinaldi mußte gehen. In der Berufung des ehemaligen Nabisco-Mannes, der nichts vom Ölgeschäft versteht, sehen MG-Manager einen Beleg dafür, daß Schmitz von vornherein auf eine Liquidation der Ölsparte aus war. Er hätte zudem als MG-Aufsichtsratschef eindeutig in geschäftliche Aktivitäten der MG Corp. eingegriffen, die ausschließlich dessen Vorstand vorbehalten sind. Weil Banken in den USA branchenfremde Aktivitäten strikt untersagt sind, muß die Deutsche Bank dort sogar mit einem Geschäftsverbot rechnen.

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