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Treuhand Verdacht gegen Thyssen-Manager

aus DER SPIEGEL 42/1993

Weil Thyssen-Manager die Treuhandanstalt angeblich um 50 bis 200 Millionen Mark geprellt haben, ließ die Berliner Staatsanwaltschaft am Donnerstag vergangener Woche die Düsseldorfer Thyssen-Zentrale und 33 Wohnungen durchsuchen; die Kripo filzte auch die Wohnung von Dieter H. Vogel, dem Vorstandschef der Thyssen Handelsunion. Der Vorwurf der Ermittler, Thyssen habe die Ost-Berliner Firma Metallurgiehandel »regelrecht ausgehöhlt«, war in der Treuhand jedoch schon seit langem bekannt. Ein Prüfbericht der Inneren Revision hatte im Dezember 1992 kritisiert, daß Thyssen als Geschäftsbesorger bei der Metallurgiehandel »eine unangemessen hohe« Vergütung erhalte - 1991 waren es 62 Millionen Mark. Für völlig unakzeptabel hielten die Revisoren die Vertragsklausel, daß 25 Prozent des Gewinns automatisch an Thyssen gehen; dies verleite zu Bilanzmanipulationen, um künstlich hohe Gewinne auszuweisen. »Interessenkonflikte« stellten die Prüfer auch bei Treuhand-Direktor Achim Lennertz fest, der den für Thyssen so lukrativen Vertrag abschloß. Lennertz, der anschließend zur DG-Bank ging, hatte dem Vorstand die Koppelung von Gewinn und Honorar verschwiegen und den Vertrag ohne Genehmigung des Verwaltungsrates und des Finanzministeriums in Kraft gesetzt. Die Rüge der Revisoren trübte nicht die guten Beziehungen zwischen Treuhand und Thyssen - erst als die Staatsanwälte zuschlugen, kündigte die Treuhand den dubiosen Geschäftsbesorgungsvertrag.

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