Verdeckte Blogger PR-Kontrolleure ermitteln gegen Bauernverband

Der Deutsche Bauernverband bekommt wegen seiner verdeckten Werbe-Aktionen immer mehr Ärger: Mehrere Agrar-Verbände haben die Heimlich-PR der Organisation scharf kritisiert - jetzt ermittelt der Deutsche Rat für Public Relations wegen verdeckter Öffentlichkeitsarbeit.

Berlin - Es klingt nach einem einfachen Weg, das eigene Ansehen zu verbessern - aber es sorgt für harsche Kritik: Nach SPIEGEL-Informationen hat der DBV eine Task-Force aus Internet-affinen Landwirten gebildet. Die sollen sich regelmäßig in Diskussionsforen zu Wort melden - um "Diskussionen und Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken, aktiv einzugreifen oder selbst auch Themen positiv zu besetzen".

Im Fokus stehen dabei nicht nur die Foren der von den eigenen Landesverbänden beherrschten Blätter "agrarheute" und "topagrar", sondern etwa auch die der Berliner "taz" und von SPIEGEL ONLINE. Das geht aus einem entsprechenden DBV-Schreiben hervor.

Bayerische Landwirte in München: "Missliebige mundtot machen"

Bayerische Landwirte in München: "Missliebige mundtot machen"

Foto: DPA

Das Selbstkontrollgremium der PR-Branche ermittelt nun wegen verdeckter Öffentlichkeitsarbeit gegen den Deutschen Bauernverband (DBV). "Der Deutsche Rat für Public Relations wird sich mit diesem Fall beschäftigen und ermittelt wegen des Vorwurfs der intransparenten Öffentlichkeitsarbeit", sagte ein Sprecher des Rats der "tageszeitung". "Undercover-PR ist nicht hinzunehmen". Das gelte auch, wenn sie in Internetforen, insbesondere von Medien, stattfinde. Die Organisation kann wie der Presserat bei Medien Verstöße gegen seine Richtlinien mit öffentlichen Rügen ahnden.

Zuvor hatte schon die Organisation LobbyControl hat das Vorgehen des DBV scharf verurteilt und mit dem PR-Gebaren der Bahn verglichen. Natürlich könne sich der DBV in Foren äußern, sagte Heidi Klein, Vorstand der Lobby-kritischen Organisation der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Manipulativ und hoch problematisch wird es aber dann, wenn nicht erkennbar ist, dass dahinter ein Verband steckt, der seine Mitglieder zu Äußerungen animiert hat." In diesem Fall gehe es offensichtlich darum, "Verbandsinteressen zu artikulieren, die als Bürgerinteressen verpackt werden".

Steigende Nervosität beim DBV

"Entsetzt" über das Vorgehen des DBV zeigte sich auch Deutschlands größter ökologischer Anbauverband Bioland. "Das ist eine Methode, Missliebige an den Rand zu drängen und mundtot zu machen", sagte dessen Präsident Thomas Dosch.

Für Ulrich Jasper von der DBV-kritischen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft zeigt die Task-Force die "steigende Nervosität" des Verbands. "Wie schwach muss dessen Position sein, wenn er sich eine passende Öffentlichkeit zurechtzimmern muss?", so Jasper. Vor allem das Thema Milch spalte den DBV nachhaltig. Wegen seines Milchindustrie-Lobbyismus werde der Bauernverband mittlerweile von der Mehrheit der Milchbauern als Gegner betrachtet. Sogar in der landwirtschaftlichen Fachpresse ist bereits von einer "Austrittswelle" die Rede.

DBV-Generalsekretär Helmut Born wies die Vorwürfe allerdings entschieden zurück. Im Gegensatz zur Bahn nehme der Bauernverband keine Unterstützung dritter Agenturen in Anspruch und setze auch keine finanziellen Mittel ein. Der DBV fordere lediglich seine Mitglieder auf, "sich engagiert in diese Internet-Debatte einzubringen, um diese Diskussionen nicht allein kritischen Gegnern einer modernen Landwirtschaft zu überlassen".

Auch von Seiten der Politik kommt Kritik am Vorgehen des Bauernverbandes: "Wichtiger als die Aktivitäten des Deutschen Bauernverbandes in Internetforen ist ein klarer Kurs in der Agrarpolitik", sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann. "Das gilt insbesondere für die Milchpolitik. Genau hier liegt das Problem." Der Beschluss des Bauernverbandes zum Ausstieg aus der Milchquote sei richtig gewesen. Umso bedauerlicher sei es, dass diese Richtungsentscheidung immer defensiver vertreten werde.

ssu/sam/AFP/ddp
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