»Innovationsprämie« Verdoppelter Elektroauto-Zuschuss kostet Bund knapp zwei Milliarden

Der Verkauf von E-Autos dümpelte in Deutschland lange vor sich hin. Dann erhöhte die Bundesregierung die Zuschüsse – offenbar mit großem Effekt, wie die Bilanz nach einem Jahr zeigt.
E-Auto in Leipzig (Archivbild): 1,9 Milliarden Euro an Zuschüssen gezahlt

E-Auto in Leipzig (Archivbild): 1,9 Milliarden Euro an Zuschüssen gezahlt

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Die Verdopplung der Elektroauto-Subventionen vor einem Jahr scheint sich auf den deutschen Automarkt auszuwirken: Im Laufe von zwölf Monaten sind weit über eine halbe Million Fahrzeuge mit rein elektrischem oder Plug-in-Hybridmotor neu zugelassen worden – mehr als in sämtlichen Vorjahren zusammen. Der staatlich befeuerte Boom geht aus den Daten des Kraftfahrt-Bundesamts hervor.

Dementsprechend rasant in die Höhe geschossen sind seither auch die Kosten der Zuschüsse: Diese summieren sich von Anfang Juni 2020 bis Ende Juni 2021 auf gut 1,9 Milliarden Euro, wie das für die Auszahlung der Zuschüsse zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn mitteilte.

Elektroautos sind damit kein Nischenprodukt mehr. Einer Umfrage im Auftrag des Portals Verivox zufolge sagen 14,6 Prozent der potenziellen Autokäufer zwischen 18 und 69 Jahren, ihr nächstes Auto solle ein reines Elektroauto sein. 7,7 Prozent bevorzugen einen Plug-in-Hybrid, zusammen also mehr als ein Fünftel.

567.000 Elektroautos neu zugelassen

Damit liegen die E-Autos in der Beliebtheit zwar nach wie vor mit großem Abstand hinter Benzinmotoren, die von knapp 38 Prozent bevorzugt werden, aber vor dem Diesel mit 12 Prozent. Für die repräsentative Onlineumfrage befragte das Marktforschungsinstitut Innofact im Juni 1000 Menschen.

Das Bundeskabinett hatte vor einem Jahr rückwirkend zum 3. Juni die »Innovationsprämie« betitelte Verdopplung der Kaufzuschüsse beschlossen. Die Zulassungszahlen – und die damit verbundenen Ausgaben – schossen fast über Nacht in die Höhe: Von Anfang Juni 2020 bis Ende Mai 2021 wurden über 567.000 Elektroautos neu zugelassen, im Juni kamen noch einmal knapp 65 000 dazu.

Zum Vergleich: In den vier Jahren zuvor von 2016 bis 2019 waren es insgesamt lediglich 256.000 Elektrofahrzeuge gewesen, davor noch weniger. Hybridmotoren ohne extern aufladbare Batterie sind nicht mitgezählt.

Höhere Prämie soll bis Ende 2025 verlängert werden

Für die Staatskasse sind die Subventionen mit dementsprechend schnell steigenden Ausgaben verbunden: In der ersten Jahreshälfte 2020 wurden »für den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität« 77,6 Millionen Euro an Autokäufer ausbezahlt, wie das Bafa mitteilte. Nach der Verdopplung des Zuschusses waren es dann in der zweiten Jahreshälfte bereits 575 Millionen, eine Versiebenfachung. Und in diesem Jahr waren es bis Ende Juni dann schon 1,33 Milliarden Euro.

Gefördert werden Kauf und Leasing reiner Batterieautos und Plug-in-Hybride mit aufladbaren Akkus. Subventioniert werden auch Autos mit Brennstoffzellenmotor, die aber nur in minimalen Stückzahlen zugelassen werden.

Die deutlich höhere staatliche Prämie ist bislang bis Ende 2021 befristet. Sie soll aber bald bis Ende 2025 verlängert werden, wie das Bundeswirtschaftsministerium kürzlich mitteilte. Laut Ministerium können für Elektrofahrzeuge, die weniger als 40.000 Euro Nettolistenpreis kosten, bis zu 9000 Euro als Fördersumme beantragt werden. Für Hybridautos sind es 6750 Euro. Für Elektrofahrzeuge über einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro sind es bis zu 7500 Euro Förderung bei reinen Elektrofahrzeugen und bis zu 5625 Euro bei Hybridautos.

Die höheren Zuschüsse sollen einerseits der deutschen Autoindustrie helfen und andererseits zur Verminderung der CO2-Emissionen beitragen. Manche Fachleute und Verbände lehnen die hohen Subventionen ab, darunter der Bund der Steuerzahler.

Ein Kritikpunkt hat sich nicht bewahrheitet: dass die Zuschüsse hauptsächlich ausländischen Herstellern zugutekommen würden. Bei den Verkaufszahlen von Batterie- und Plug-in-Hybridautos liegen in diesem Jahr vier deutsche Hersteller auf den ersten vier Plätzen: VW – die Marke, nicht der Konzern – lag mit gut 59.000 Autos in der ersten Jahreshälfte vorn, gefolgt von Mercedes, BMW und Audi. Als erster ausländischer Hersteller lag Renault auf Platz fünf. Auch bei den reinen Batterieautos lag Tesla auf Platz zwei hinter VW.

Laut Verivox-Umfrage bevorzugen Privatkunden reine Elektroautos, während Plug-in-Hybride eher als Firmenfahrzeuge bevorzugt werden. Knapp ein Drittel der Befragten glaubt, dass reine Elektroautos in den kommenden zehn Jahren die meisten Marktanteile hinzugewinnen werden. Häufigstes Argument gegen ein Elektroauto ist nach wie vor die zu geringe Reichweite, die von 46,7 Prozent der Befragten genannt wurde.

wit/dpa
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