Vergebliches Fusions-Werben Postbank weist Ackermanns Offerte zurück

Nach dem Zusammenschluss der Konkurrenten HypoVereinsbank und Unicredito brachte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinerseits eine Fusion ins Spiel. Das Ziel: die Postbank. Doch dort will man von einer Konzernehe nichts wissen.


Deutsche Bank in Frankfurt: Die Postbank als strategische Perspektive
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Deutsche Bank in Frankfurt: Die Postbank als strategische Perspektive

Frankfurt am Main - Die Postbank Chart zeigen und ihr Mehrheitsaktionär Deutsche Post haben den erneuten Avancen der Deutschen Bank eine klare Absage erteilt. "Die Deutsche Post wird die Mehrheit an der Postbank behalten", sagte ein Sprecher des Bonner Konzerns. "Das ist absolut kein Thema. Es gibt auch bei uns im Haus keine Pläne für einen Zusammenschluss mit einer anderen Großbank", ergänzte er.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte in einem Interview im "Handelsblatt" die Spekulationen um einen möglichen Zusammenschluss mit der Postbank erneut aufleben lassen, nachdem ein erster Versuch 2004 gescheitert war. "Wir sind bereit, in allen Märkten, in denen wir schon vertreten sind, und auch in neuen Märkten Banken zu übernehmen", bekräftigte Ackermann. Der gescheiterte Kauf der Postbank wäre strategisch gut gewesen, die Pläne seien aber viel zu früh in die Öffentlichkeit geraten.

Die Deutsche Bank Chart zeigen hatte im vorigen Jahr, obwohl sie die Post beim Börsengang ihrer Banktochter beraten hatte, selbst zugreifen wollen. Eine Übernahme scheiterte jedoch an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Auf die Frage, ob das Thema erledigt sei, antwortete Ackermann nun: "Das müssen Sie die Post AG fragen. Dass die strategische Perspektive gut wäre, gilt weiterhin."

Branchenbeobachter sehen Ackermann unter Zugzwang. Am Sonntag hatte Deutschlands zweitgrößte Bank, die HypoVereinsbankChart zeigen, erklärt, als Juniorpartner in eine rund 20 Milliarden Euro schwere Fusion mit der italienischen Unicredito Chart zeigen zu gehen. Damit entsteht gemessen am Börsenwert das neuntgrößte Geldhaus in Europa, mit über 7000 Filialen in 19 Ländern und einer Bilanzsumme von 733 Milliarden Euro.

Bewegung im Bankenmarkt

Analysten gehen davon aus, dass die Übernahme Bewegung in den seit Jahren verkrusteten deutschen Bankensektor bringen könnte. Wegen der bislang strikten Unterteilung in einen privaten, einen öffentlich-rechtlichen sowie einen genossenschaftlichen Sektor ist dieser extrem zersplittert. Dies gilt als zentrale Ursache für die Ertragsprobleme deutscher Banken in ihrer Heimat.

Möglichen Übernahmen sind hohe Hürden gesetzt. So dürfte beispielsweise eine Fusion zwischen der Commerzbank und der WestLB kaum gelingen. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, die Commerzbank, die ebenso als Übernahmekandidat gilt, suche nach inländischen Partnern. Unter anderem soll der Finanzkonzern an einem Zusammenschluss mit der WestLB arbeiten. "Das ist Spekulation, das kommentieren wir nicht", sagte ein Sprecher von Deutschlands drittgrößtem Geldhaus dazu.

Allerdings dürfen private Institute derzeit weder Sparkassen noch Landesbanken übernehmen. Entsprechende Versuche waren stets am Veto des Gesetzgebers gescheitert und eine zügige Änderung des rechtlichen Rahmens gilt als äußerst unwahrscheinlich. Umgekehrt könnte zwar eine Landesbank die Commerzbank übernehmen, doch scheint es mehr als fraglich, dass der Frankfurt Finanzkonzern als Juniorpartner in einen Zusammenschluss gehen würde.



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