Vergiftete Kinder Droge in China-Spielzeug - Händler rufen Ware zurück

Helle Aufregung um verseuchtes Spielzeug aus China: Forscher haben an den beliebten "Bindeez"-Kugeln die Droge GHB entdeckt. Nach ersten Vergiftungen in den USA und Australien reagieren jetzt auch deutsche Händler und nehmen die Produkte vom Markt.


Hamburg - Sie sind der Renner der Saison, fast jedes Kind will sie haben: "Bindeez" - kleine Kugeln, aus denen sich Figuren bauen lassen, wenn man sie mit Wasser besprüht. Doch was jetzt herauskam, versetzt Eltern weltweit in Angst und Schrecken: US-Forscher haben an der Beschichtung der Kugeln eine Chemikalie entdeckt, die sich beim Einnehmen in eine gefährliche Droge verwandelt.

Spielzeugladen: "Der Absatz lief ziemlich gut"
AP

Spielzeugladen: "Der Absatz lief ziemlich gut"

Als die Nachricht heute bekannt wurde, reagierten Händler in Deutschland sofort. "Wir haben gerade alle unsere Filialen schriftlich per E-Mail angewiesen, das Produkt vorsorglich aus dem Sortiment zu nehmen", sagte ein Karstadt-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Eltern, die Bindeez gekauft haben, könnten diese zu zurückbringen. "Unser Lieferant lässt die Produkte jetzt genau untersuchen", sagte der Sprecher.

Karstadt verkaufte die Bindeez schon seit Wochen, bei Eltern wie bei Kindern sind die Kügelchen äußerst beliebt. "Der Absatz lief ziemlich gut", sagte der Karstadt-Sprecher. Wie viele Produkte genau verkauft wurden, lasse sich derzeit aber nicht sagen.

Auch bei Toys R Us ist die Marketingabteilung in Alarmstimmung. "Wir haben das Produkt Bindeez aus dem Verkauf genommen", sagte eine Sprecherin zu SPIEGEL ONLINE. Weitere Angaben machte sie nicht.

In den USA mussten zwei Kinder ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie das Produkt verschluckt hatten. Dort sind Bindeez unter dem Namen "Aqua Dots" bekannt. In Australien wurden sogar drei Kinder stationär behandelt - dabei waren die Bindeez dort gerade erst zum Spielzeug des Jahres gekürt worden.

Zwei Kinder im Koma

Wissenschaftlern zufolge beinhalten die Kügelchen Stoffe, die sich in Gamma-Hydroxybutyrat (GHB) verwandeln, wenn man sie verschluckt. Die Chemikalie gilt als sogenannte Vergewaltigungsdroge. Wer sie verabreicht bekommt, wird willenlos und kann sich später an nichts mehr erinnern.

Gleichzeitig hat der Stoff eine ganze Reihe von Nebenwirkungen. So kann GHB zu Bewusstlosigkeit, Krämpfen und Schläfrigkeit führen, im schlimmsten Fall auch zu Koma und Tod. Naren Gunja vom australischen Giftinformationszentrum sagte laut "LA Times", dass die Wirkung auf Kinder "ziemlich ernst und möglicherweise lebensbedrohlich" sei.

Die beiden vergifteten Kinder in den USA hat es besonders hart getroffen. Nachdem sie Aqua-Dot-Kügelchen verschluckt haben, sind sie ins Koma gefallen, sagte ein Sprecher der Produktsicherheitskommission. Beide hätten sich mittlerweile erholt und befänden sich auf dem Weg der Besserung.

Hersteller der Bindeez ist das australische Unternehmen Moose Enterprise, das die Produkte in Shenzhen in der südchinesischen Provinz Guangdong produzieren lässt. Als Vertriebsunternehmen fungiert Spin Master Toys mit Sitz im kanadischen Toronto.

Für die Spielzeugbranche ist die Rückrufaktion ein herber Schlag - schließlich mussten die Händler in den vergangenen Monaten schon mehrfach giftige Ware aus China aus den Regalen nehmen. Erst in der vergangenen Woche hatte die chinesische Regierung über 700 Spielzeugfabriken wegen minderwertiger Ware ein Exportverbot verhängt.

In den USA sind die Aqua Dots stark beworben worden, für viele Händler waren sie der Verkaufsschlager der Saison. Auf der Wal-Mart-Liste der beliebtesten Weihnachtsgeschenke rangierten sie unter den Top 12, für viele Kinder waren sie ein Muss. Auch in Deutschland läuft eine Werbekampagne.

wal



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
SirRobin 08.11.2007
1.
Wer muss sich aufregen? Wer Gerät in Aufregung? Klar weiß man auch nicht zu 100 Prozent was man bekommt, wenn man Spielzeug made in G oder zumindest Europa kauft... aber es minimiert doch sicher das Risiko... Also nicht aufregen! Es gäbe nur einen Grund dazu - aber 1000 Möglichkeiten entspannt zu bleiben ;-)
Eimsbüttler 08.11.2007
2. Herbstloch?
Zitat von sysopHelle Aufregung um verseuchtes Spielzeug aus China: Forscher haben in den beliebten "Bindeez"-Kugeln die Vergewaltigungsdroge GHB entdeckt. Nach ersten Vergiftungen in den USA und Australien reagieren jetzt auch deutsche Händler und nehmen die Produkte vom Markt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,516276,00.html
"Vergewaltigungsdroge"? Das hätte Bild nicht schöner formulieren können. Sonst noch Themen?
Dros, 08.11.2007
3.
Hi, wir kaufen schon seit Jahren so gut wie nichts aus China (völlig konsequent kann man da leider nicht sein). Eher aus Patriotismus, aber inzwischen wohl auch aus Sorge um die Gesundheit. Meine Reihenfolge ist: Region,Deutschland,EU,"Restliche Erste Welt". Erst wenn das was ich haben möchte dort nicht hergestellt wird (zu einem akzeptablen Preis (nicht billig!)), und ich das Objekt unbedingt möchte, kaufe ich es auch aus China oder irgendwo sonst aus Fernost. In manchen Branchen kommt man ja nicht mehr dran vorbei. cu Dros
Leopard21 08.11.2007
4.
Zitat von Eimsbüttler"Vergewaltigungsdroge"? Das hätte Bild nicht schöner formulieren können. Sonst noch Themen?
In der Tat, das ist BILD-würdig. Immerhin hat die Redaktion schnell reagiert, noch während ich einen Beitrag schrieb, hatte sich die Überschrift in eine etwas weniger "kreischende" verwandelt. GHB wird - unter anderem in sog. k.o.-Tropfen verwendet oder auch als "Date-rape-drug" bezeichnet. Die Substanz zählt chemisch zu den sog. Halluzinogenen, mit denen man sich - wie mit LSD - in einen bestimmten Gemütszustand zu versetzen. Die Wirkung ähnelt in niedriger Dosis der von Alkohol: Enthemmung, Euphorie, auch aggressives Verhalten möglich. Zum Ende des Rauschs überwiegt ein sedierender Effekt. Wie auch immer: GHB hat in Kinderspielzeug ganz gewiß nichts verloren - ob mit oder ohne reißerische Überschrift.
Newspeak, 08.11.2007
5.
Jetzt ist also auch GHB (gamma-Hydroxybuttersäure) ein Opfer der Dämonisierung von Molekülen geworden. Herzlichen Glückwunsch an den investigativen Journalisten, der sich das Schlagwort "Vergewaltigungsdroge" ausgedacht hat. Klar, macht ja sonst auch nichts anderes, dieses doofe Molekül. Daß es sich dabei um einen Neurotransmitter handelt, der sich in bestimmten Konzentrationen in (hoffentlich) jedem Gehirn findet, wurde mal wieder unterschlagen, ist ja auch nicht so plakativ. Hat man vermutlich auch nicht recherchiert. Findet man eigentlich selbst auch nicht so wichtig, dafür müsste man sich ja mal für einen kurzen Moment mit Chemie bzw. Biochemie beschäftigen. Na ja...aber dann wundern, warum die Bildung in Deutschland den Bach runtergeht und unsere exzellenten Hochschulen auf internationalen Rankings unter ferner liefen rangieren. P.S. Bitte aber nicht vergessen, auch CO_2 weiter zu verteufeln. Atmen wir ja nur aus. Aber das ist unwesentlich.
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