Vergoogelung Amazon plant riesiges Volltext-Archiv

Amazon plant offenbar, mit einer Reihe von Such- und Informationsdiensten mehr Surfer auf seine Seite zu locken. Mit Restaurant-Rankings und einem gigantischen Bucharchiv will der Internet-Einzelhändler den Platzhirschen Yahoo! und Google Paroli bieten.


Amazons Lager in Seattle: Fundgrube für Zitatensammler?
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Amazons Lager in Seattle: Fundgrube für Zitatensammler?

New York - Das Management von Amazon Chart zeigen verhandelt nach einem Bericht der "New York Times" mit zahlreichen Buchverlagen, um demnächst ein umfassendes Textarchiv anzubieten, in dem Nutzer nach Schlüsselworten suchen können. Bereits jetzt können Kunden auf der Seite von Amazon.com mit der der Funktion "Look Inside The Book" bei vielen Titeln das Inhaltsverzeichnis sowie ein Probekapitel einsehen.

Amazons Pläne, intern als "Look Inside The Book II" bezeichnet, gehen nach Informationen der "Times" jedoch wesentlich weiter. Per Volltextsuche soll der Kunde alle in Frage kommenden Titel finden und die entsprechende Stelle lesen können - inklusive einer Seiten vor und nach dem Zitat.

Amazon hofft offenbar, durch diese Funktion mehr Menschen auf seine Seite zu ziehen. Viele der von der Internetfirma angesprochenen Verlage sind jedoch dem Vernehmen nach skeptisch, dass eine Freigabe von Material im Internet auch für sie lukrativ wäre. Zwar wolle Amazon die Zahl der Seiten beschränken, die ein registrierter Benutzer über die Volltextsuche anschauen kann. Dennoch hätten viel Verlagsmanager Zweifel geäußert. Besonders unkooperativ zeigen sie sich angeblich bei Büchern, von denen Leser eventuelle ohnehin nur wenige Seiten interessieren - dazu gehörten etwa Nachschlagewerke oder Kochbücher.

Angst vor Google und Yahoo!

Das geplante elektronische Bucharchiv ist angeblich nur ein Teil einer neuen Strategie. Offenbar ist der Einzelhändler beunruhigt über den Einstieg von klassischen Suchmaschinenanbietern ins Shopping-Geschäft. So setzt das Portal Yahoo! Chart zeigen zunehmend darauf, Kunden über Informationsdienste auf seine Seite zu locken und Ihnen dann dort über maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten.

Um dieses lukrative Geschäft auszubauen, hat Yahoo! kürzlich den Marktführer Overture übernommen. Auch die Suchmaschine Google experimentiert derzeit mit einer für Shopper konzipierten Suchmaschine namens Froogle und lenkt Surfer mit so genannten sponsored links auf die Seiten von werbenden Unternehmen. "Jeder hat Angst vor Google", so Analyst Jordan Rohan von SoundView Technology gegenüber der Zeitung.

Amazon will den Suchmaschinen laut "Times" mit eigenen Angeboten entgegentreten. Unter anderem bietet das von Jeff Bezos gegründete Unternehmen bereits einen Restaurantführer und Kinoprogramme an. Eine Suchmaschine hat Amazon auch schon. Mit der können Kunden neuerdings nicht mehr nur nach angebotenen Produkten fahnden, sondern auch das Web durchsuchen. Das Know-How für die Suchmaschine hat Amazon bei Google gekauft.



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