Verhandlungen gestoppt Herkules-Flop wirft Bundeswehr um Jahre zurück

Auch die letzten Einigungsversuche in der Nacht brachten keine Lösung: Die Verhandlungen über das milliardenteure Bundeswehrprojekt "Herkules" sind gescheitert - der Versuch, die Informationstechnik der Armee zu modernisieren, ist um Jahre zurückgeworfen. Nach dem Maut-Debakel eine weitere Blamage für die Regierung.


Bundeswehr-Computer: Das Telefonie- und Computerchaos dauert an
DDP

Bundeswehr-Computer: Das Telefonie- und Computerchaos dauert an

Berlin - Das Ministerium habe sich entschieden, die Gespräche mit dem Firmenkonsortium Isic 21 zur Realisierung von "Herkules" abzubrechen, sagte ein Sprecher. Es habe sich gezeigt, dass trotz eingehender Bemühungen keine wirtschaftliche Einigung beider Seiten erzielt werden konnte.

Das Isic-21-Konsortium besteht aus dem Luftfahrtkonzern EADS, dem IT-Spezialisten CSC Ploenzke und dem Mobilfunk-Anbieter mobilcom. Für das Projekt, das die bislang zahlreichen inkompatiblen Telefon- und anderen Kommunikationssysteme der Bundeswehr harmonisieren soll, sind 6,65 Milliarden Euro über zehn Jahre veranschlagt.

Verzögerung um Jahre oder totales Scheitern?

Das Ministerium verhandelte bereits seit zwei Jahren mit Isic 21. Beide Seiten hatten keine Einigung über die Eckpunkte des Projekts wie Anforderungen und Finanzierung erzielt. Auch die Bereitschaft der Bundeswehr, Kompromisse beim Leistungskatalog zu schließen, habe nicht zum Erfolg geführt, sagte der Sprecher heute.

EADS teilte mit, für das Scheitern der Verhandlungen seien "insbesondere vergaberechtliche Restriktionen" verantwortlich gewesen. Trotz intensiver Bemühungen sei eine Lücke von mehreren hundert Millionen Euro zwischen den Anforderungen des Verteidigungsministeriums und dem Budget nicht zu schließen gewesen. "Für die EADS wäre die Wirtschaftlichkeit des Projektes unter diesen Bedingungen nicht mehr gewährleistet gewesen." Nun sei das gesamte Projekt gefährdet - zumindest drohe die Verzögerung um Jahre.

Siemens frohlockt

Mit Herkules soll das Management handelsüblicher Informationstechnik auf eine IT-Gesellschaft übertragen werden, an der der Bund knapp weniger und private Firmen knapp mehr als die Hälfte halten sollen. Bislang arbeitet die Bundeswehr mit zahlreichen isolierten Insellösungen aus nicht vernetzbaren Telefon-, Funk- und Computersystemen.

Die Regierung will nun Gespräche mit dem bisher zweitplatzierten Interessenten führen, dem "TIS"-Konsortium um T-Systems, IBM Deutschland und Siemens Business Services (SBS). Siemens teilte bereits mit, man sei ebenfalls bereit, neue Verhandlungen aufzunehmen. Bisher sei aber noch keine Anfrage von Seiten des Bundesverteidigungsministeriums eingegangen, sagten ein SBS- und ein IBM-Sprecher.



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