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Verkehr Kilometergeld für Gutverdiener

Mit einer höheren Pendlerpauschale wollte die Bundesregierung den Geldbeutel jener Berufstätigen schonen, die aufs Auto angewiesen sind. Tatsächlich profitieren vor allem die Einkommensstarken.
aus DER SPIEGEL 17/2022
Foto: Jochen Eckel / picture alliance

Von der Anhebung der Pendlerpauschale zu Jahresbeginn profitieren Topverdiener deutlich stärker als untere und mittlere Einkommen. Das zeigt eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Oberhalb des Arbeitnehmer-Pauschbetrags profitieren die einkommensstärksten zehn Prozent demnach pro zu versteuerndem Euro mit 40 Cent. Bei mittleren Einkünften liegt die Entlastung dagegen lediglich bei rund 30 Cent, beim einkommensschwächsten Zehntel sogar nur bei 13 Cent.

Unter den Steuerpflichtigen, die die Pendlerpauschale geltend machten und über dem Arbeitnehmerpauschbetrag lagen, zahlten gut 814.000 den Spitzensteuersatz und gut 17.000 die sogenannte Reichensteuer. Das erregt den Unmut der Opposition: »Die Ampel verstärkt mit der Erhöhung den Konstruktionsfehler der Pendlerpauschale«, kritisiert Christian Görke, finanzpolitischer Sprecher der Linken. Da sie das zu versteuernde Einkommen senke, bekomme »der Konzernmanager eine größere Steuerentlastung pro Kilometer als der Facharbeiter «. Die Pendlerpauschale müsse stattdessen durch ein Mobilitätsgeld ersetzt werden: einen festen Betrag pro Entfernungskilometer, den alle Beschäftigten erhalten.

Die Erhöhung wurde Mitte März vom Kabinett beschlossen und gilt rückwirkend ab 1. Januar. Sie war im Vorfeld stark umstritten. Die Grünen etwa kritisierten, die Pauschale setze falsche Anreize und sei ökologisch kontraproduktiv. Tatsächlich steigt die Zahl der Pendler seit Jahren. Machten 2013 noch rund 16,6 Millionen Steuerzahler Werbungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte geltend, so waren es 2017 – dem letzten Jahr, für das bislang Daten verfügbar sind – bereits knapp 18,8 Millionen.

Die durchschnittliche Entfernung der Pendler ging im selben Zeitraum hingegen zurück – von 24,1 auf 23,4 Kilometer. Am weitesten pendelten Brandenburger mit durchschnittlich 29,5 Kilometern, am kürzesten Hamburger (17,6 Kilometer). Die größte Zahl der Pendlerpauschalen wurde für Fahrten mit dem eigenen Pkw gewährt, auf Sammelbeförderung entfielen 2017 nur gut 36.000 Fälle. Im Schnitt wurden Steuerzahler durch die Pauschale um 440 Euro pro Jahr entlastet.

dab
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