Verlust Premiere schreibt tiefrote Zahlen

Der Bezahlsender Premiere ist wegen hoher Kosten durch die Fußball-WM und einer Bilanzbereinigung tief in die roten Zahlen gerutscht. Nicht nur die Zahl der Abonnenten ging zurück - zudem sicherte sich der Sender Arena die Übertragung von spanischen Fußballspielen.


München - Lizenzkosten für die Fußball-Weltmeisterschaft und steuerliche Sondereffekte haben dem Abosender Premiere Chart zeigen im zweiten Quartal Verluste beschert. Im zweiten Quartal 2006 summierte sich ein Verlust von 138,8 Millionen Euro, wie Premiere mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 6,7 Millionen Euro verbucht.

Kofler: "Abonnenten-Zahlen im Rahmen der Erwartungen"
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Kofler: "Abonnenten-Zahlen im Rahmen der Erwartungen"

Das operative Ergebnis (Ebit) lag mit 43,7 Millionen im Minus, nach einem Plus von 6,1 Millionen Euro. Die Fußball-WM kostete Premiere 35 Millionen Euro für Lizenz und Produktion. Außerdem schrieb der Sender Steuern auf Verlustvorträge ab, was das Ergebnis mit 90,4 Millionen Euro belastete. Grund sei eine konservative Bewertung, hieß es.

Von April bis Ende Juni legte der Umsatz um vier Prozent auf 269 Millionen Euro zu. Die Erlöse aus dem Kerngeschäft mit Programmabos, Pay-per-view und Werbung stiegen um fünf Prozent auf 254,9 Millionen Euro. Die Zahl der Abonnenten betrug zum 30. Juni 3,44 Millionen, das sind zwar rund 130.000 mehr als im Vorjahreszeitraum, aber gut 79.000 weniger als im ersten Quartal 2006. Die Kündigungsquote stieg auf 18 Prozent. Premiere hatte die Übertragungsrechte für die Bundesliga an den Wettbewerber Arena verloren.

Premiere-Chef Georg Kofler bewertete den Rückgang der Abonnenten-Zahlen als moderat und im Rahmen der Erwartungen: "Insgesamt ist festzustellen, dass die Abonnentenbasis von Premiere nach wie vor stabil ist." Dasselbe gelte auch für den Umsatz, vor allem im Kerngeschäft. Der Vorstandschef interpretierte die Quartalszahlen gewohnt optimistisch: "Premiere kann die Marktposition im neuen Wettbewerbsumfeld gut behaupten."

Arena schnappt Premiere spanischen Fußball weg

Pünktlich zum Start der Bundesliga hat Premiere mehrere Verträge für die Vermarktung der Fußball-Bundesliga abgeschlossen. Dadurch sänken auch die Kosten. Der Sender kooperiert mit Rechte-Inhaber Arena und kann so nach eigenen Angaben die Bundesliga in 14 von 16 Bundesländern im Kabelfernsehen anbieten.

Arena hat jedoch Premiere den spanischen Fußball weggeschnappt. Ab dem 27. August werde Arena neben der deutschen Fußball-Bundesliga auch die spanische Primera Division sowie den spanischen Königspokal "Copa del Rey" zeigen, teilte Arena mit. Die Rechte sollen für die nächsten drei Jahre gelten und die Ausstrahlung über Kabel, Satellit und Internet umfassen.

Premiere wird aber über das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom alle 612 Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga im Internet-Fernsehen zeigen. Kofler sagte, das VDSL-Netz werde bis zum Jahresende sechs Millionen Haushalte erreichen und ermögliche Fernsehen, Hochgeschwindigkeits-Internet und Telefonie aus einer Hand. "Die Bundesliga unter der Marke Premiere wird dabei ein starkes Zugpferd für die Vermarktung sein." An der UEFA Champions League, die im September startet, hält Premiere alle Live-Übertragungsrechte. "Nach der hervorragenden Fußball-WM rechnen wir mit großem Interesse für internationalen Spitzenfußball. Die Top-Spiele der Champions League werden zukünftig exklusiv bei Premiere zu sehen sein."

Kofler sah den Sender für das zweite Halbjahr gut positioniert. "Premiere ist bei der Bundesliga weiter am Ball, hat die Programmexklusivität in wichtigen Bereichen gestärkt und ist mit dem neuen Angebotsmodell für bestehende Abonnenten ebenso wie für Neukunden attraktiver geworden." Eine neue Prognose für das Gesamtjahr wollte Kofler wie geplant erst am 7. November, bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal, bekannt geben.

tim/dpa/AP/Reuters



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