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KONZERNE Verluste bei MG Technologies?

aus DER SPIEGEL 12/2001

Kajo Neukirchen, Vorstandschef der Frankfurter Metallgesellschaft, muss auf seiner nächsten Hauptversammlung am 30. März mit dem Widerstand erboster Aktionäre rechnen. Besorgte Miteigner des Chemie- und Anlagenbauspezialisten, der neuerdings unter dem Namen MG Technologies firmiert, wollen Neukirchen und seinen Kollegen die Entlastung verweigern und eine Sonderprüfung des letzten Jahresabschlusses durchsetzen. Sollte der Antrag abgelehnt werden, wollen die beunruhigten MG-Aktionäre, die sich bislang noch bedeckt halten, notfalls sogar vor Gericht ziehen. Die Kritiker werfen Neukirchen vor, er habe durch laxe Kontrolle als Aufsichtsratschef bei seiner Anlagenbautochter Lurgi Milliardenwerte vernichtet und die MG-Ergebnisrechnung durch die Veräußerung von Firmen und die Umstellung auf US-Bilanzregeln geschönt. Auch durch Verkäufe von Forderungen an Banken im großen Stil in Höhe von über einer Milliarde Mark kurz vor dem Bilanzstichtag sei die wahre Situation des Unternehmens verschleiert worden, rügen sie. Anhand eigener Berechnungen wollen die Gegner des MG-Chefs nachweisen, dass Neukirchen für das vergangene Jahr statt des ausgewiesenen Gewinns von rund 550 Millionen Mark operativ sogar einen Verlust erwirtschaftet hat. MG-Finanzvorstand Karlheinz Hornung bleibt dagegen bei seiner Rechnung und verweist darauf, dass die Prüfgesellschaft KPMG den Abschluss uneingeschränkt testiert hat. Unangenehme Fragen wird der MG-Chef zu seinem Großanlagenbauer Lurgi beantworten müssen, der im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone abglitt und den Aktienkurs der MG zeitweise um bis zu 40 Prozent absacken ließ. »Die Schieflage im Anlagenbau«, kritisiert die Investmentbank UBS-Warburg in einer kürzlich veröffentlichten Studie, rechtfertige »Zweifel am Kontrollsystem des Konzerns«. Die MG hatte bereits 1999 den erfolgreichen Bochumer Anlagenhersteller GEA übernommen. Bei dem Umtauschgutachten für die Altaktionäre der GEA wurde damals noch davon ausgegangen, dass die Gewinne der Lurgi-Gruppe in den Folgejahren auf bis zu 300 Millionen Mark ansteigen. Tatsächlich aber erwirtschaftete die Lurgi im vergangenen Jahr über 200 Millionen Mark Verlust, vom ehemals angenommenen Unternehmenswert von rund 2,4 Milliarden Mark ist der Anlagenbauer heute weit entfernt. Neukirchens Kritiker hegen den Verdacht, dass sich die Verluste MG-intern schon viel früher abzeichneten, sie beim Eintausch ihrer deutlich werthaltigeren GEA-Aktien in MG-Papiere somit getäuscht wurden.

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