Verluste in der Kreditkrise Steinbrück übt scharfe Kritik an Landesbanken

Der Rüffel kommt vom Finanzminister höchstpersönlich: Peer Steinbrück übt scharfe Kritik am Management der Landesbanken, die im Zuge der US-Immobilienkrise milliardenschwere Risiken aufgehäuft haben. Die Vorstände hätten statt Weitsicht Spekulationslust gezeigt.


Berlin – Deutlicher kann man es kaum sagen: In ihrem Renditestreben hätten die Vorstände der Landesbanken in Produkte investiert, deren Risiken sie nicht abschätzen konnten, monierte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im Interview mit der Nachrichtenagentur AP: "Außerdem fehlte ihnen offenbar der Überblick über die notwendige Liquiditätsvorsorge. Man kann es auch schlichter ausdrücken: Da hatten einige Bankmanager ihr Geschäft nicht im Griff."

Wegen riskanter Immobiliengeschäfte war unter anderem die SachsenLB an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft worden. Dabei muss das Land Sachsen nun eine Bürgschaft für finanzielle Risiken von 2,75 Milliarden Euro tragen. Auch die Düsseldorfer WestLB hatte in diesem Jahr mit Fehlspekulationen im Eigenhandel und durch die US-Immobilienkrise Verluste von fast einer Milliarde Euro erlitten und rechnet mit tiefroten Zahlen in der Jahresbilanz.

Besonders kritisierte Steinbrück, dass die Bankmanager einen Großteil ihrer Risikogeschäfte bewusst außerhalb der Bankbilanzen getätigt und damit die Aufsicht teilweise umgangen hätten. Das werde aber mit der vollständigen Umsetzung der neuen Eigenkapital-Vorschriften für Banken, den sogenannten Basel-II-Regeln, ab dem neuen Jahr nicht mehr möglich sein, versicherte er.

Ob es darüber hinausgehenden Änderungsbedarf bei der Bankenaufsicht gibt, werde zurzeit noch innerhalb seines Ministeriums und mit den Experten diskutiert. "Ich rechne mit Ergebnissen noch in der ersten Jahreshälfte 2008", sagte der Minister.

Die Folgen der Kreditkrise werden bei den Landesbanken wohl noch zu weiteren Fusionen führen. Der Chef der LBBW, Siegfried Jaschinski, hält aber "konkrete Schritte" erst Ende dieses Jahres für möglich, wie er dem "Handelsblatt" sagte. Dabei nahm Jaschinski nur die laufenden Gespräche zwischen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der WestLB, die derzeit ein Zusammengehen prüfen, ausdrücklich aus.

Jaschinski verwies auf die anspruchsvollen Aufgaben, mit denen die LBBW in diesem Jahr konfrontiert sei. "Wir sind zunächst voll und ganz mit der Integration der SachsenLB und der engeren Einbindung der Landesbank Rheinland-Pfalz beschäftigt", sagte Jaschinski.

Grundsätzlich setzt die LBBW jedoch auch künftig auf Übernahmen. Nach Aussagen Jaschinskis sieht sich das Institut "permanent kleinere Banken im europäischen Ausland" an, um das Mittelstandsgeschäft zu stärken. Noch keine Entscheidung sei gefallen, ob es auch für den Anteil des Bundes an der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB biete.

ase/AP/dpa-AFX



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