Durchschnittliches Haushaltsvermögen von 420.000 Euro »Deutschland ist erheblich reicher, als die offiziellen Statistiken zeigen«

Deutschland ist laut einer Studie rund 4000 Milliarden Euro reicher als gedacht. Vermögen ist aber nicht gleich verteilt – die Sorge vor wachsender Konzentration an der Spitze sei jedoch weitgehend unbegründet.
Bei korrekter Berechnung würde das Haushaltsvermögen in Deutschland den Autoren der Studie zufolge deutlich höher liegen als bisher angenommen

Bei korrekter Berechnung würde das Haushaltsvermögen in Deutschland den Autoren der Studie zufolge deutlich höher liegen als bisher angenommen

Foto: Patrick Pleul/ dpa

In Krisenzeiten scheint die unterschiedliche Verteilung von Wohlstand und Vermögen besonders spürbar – die Inflation etwa belastet die Menschen unterschiedlich stark. Rund 27 Prozent des gesamten Vermögens in Deutschland gehören einem Prozent der deutschen Haushalte, wie es in einer Studie der Vermögensforscher Moritz Schularick, Thilo Albers und Charlotte Bartels heißt, über die die drei in der »FAZ«  schreiben.

Ob die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, ließ sich demnach etwa nicht sicher sagen. Die Datenlage sei nicht solide – was auch mit der deutschen Geschichte der letzten 150 Jahre zu tun habe. »Es brauchte daher ein langjähriges Forschungsprojekt, um zum ersten Mal die Entwicklung der Vermögen und ihrer Verteilung in Deutschland von 1895 bis heute nachzuzeichnen«, schreiben die Verfasser von der Uni Bonn, der Berliner Humboldt-Universität und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

»4000 Milliarden Euro reicher als gedacht«

Bei korrekter Berechnung jedoch würde das Haushaltsvermögen in Deutschland deutlich höher liegen als bisher angenommen werde, schreiben sie. »Wenn man die Betriebsvermögen nach internationalen Standards bemisst und zudem für die Immobilienpreise die aktuelleren Zahlen der Bundesbank verwendet, dann ist Deutschland gut 4000 Milliarden Euro reicher als gedacht.« Dies entspreche etwa der gesamten jährlichen Produktion von Gütern und Dienstleistungen in Deutschland.

Das durchschnittliche Haushaltsvermögen betrage rund 420.000 Euro, schreiben die Autoren. Der Median-Haushalt, also genau die Mitte aller Haushaltsvermögen, liege dagegen bei einem Vermögen von 120.000 Euro. Der Grund für den Unterschied ist dem Bericht zufolge die Ungleichverteilung dessen – große Vermögen an der Spitze würden den Durchschnittswert stark erhöhen.

»Die Reichen sind der Mittelschicht nicht enteilt«

»Deutschland ist erheblich reicher, als die offiziellen Statistiken zeigen«, zitiert auch das »Handelsblatt«  die Autoren. Der nicht erfasste Reichtum sei allerdings »nur bei der besser situierten Hälfte der Bevölkerung« zu finden, schreibt die Zeitung.

Verglichen mit historischen Schwankungen sei demzufolge der Anteil des reichsten Hundertstels oder Tausendstels der Bevölkerung am Gesamtvermögen in den vergangenen Jahrzehnten zwar gestiegen, aber nicht sehr ausgeprägt. »Die Reichen sind also der Mittelschicht, die fast das gesamte übrige Vermögen hält, nicht enteilt.«

Vermögen der unteren Hälfte stagniert seit 1990

Insgesamt habe die obere Hälfte inflationsbereinigt ihr Vermögen seit 1990 verdoppelt, während es bei der unteren Hälfte stagnieren würde, schreibt das »Handelsblatt« weiter. Der Einkommensanteil der unteren Hälfte sei von 30 Prozent in den Sechzigerjahren auf 25 Prozent in den Achtzigern gesunken – entsprechend schwieriger sei es für sie gewesen, durch Ersparnis Vermögen aufzubauen. Die Mittelschicht profitiere derweil seit etwa 2010 von steil ansteigenden Preisen für Immobilien, die für sie die wichtigste Anlageklasse darstelle.

Die wachsende Lücke zwischen Vermögen der oberen Hälfte der Gesellschaft, wo der Wert von Aktien- und Immobilienvermögen in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen sei, und der unteren Hälfte ist den Ökonomen zufolge signifikant. Bei Letzterer hätten die Vermögen in den letzten 40 Jahren stagniert.

Albers, Bartels und Schularick kommen zu dem Schluss, dass der fallende Anteil der unteren 50 Prozent am Gesamtvermögen und entsprechende Konzepte zum Vermögensaufbau für einkommensschwächere Haushalte aus diesem Blickwinkel mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit verdienen würden als weitgehend unbegründete Sorgen um eine wachsende Vermögenskonzentration an der Spitze.

ani
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