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Konsumflaute in der Coronazeit Durchschnittsvermögen steigt in zehn Jahren um gut 120.000 Euro

In der Pandemie legten viele Menschen mehr Geld auf die hohe Kante. Auch deshalb ging laut Bundesbank die Ungleichheit der Vermögen leicht zurück – ohne das Niveau vieler anderer EU-Staaten zu erreichen.
Diverse Vermögen: Häuser im Hamburger Nobelviertel Blankenese

Diverse Vermögen: Häuser im Hamburger Nobelviertel Blankenese

Foto: Werner Dieterich / Westend61/ IMAGO

Die Menschen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ein Rekordvermögen angehäuft. Vor allem Haushalte mit bislang kleinen Vermögen hätten besonders stark zugelegt, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. »Die Ungleichheit hinsichtlich des Nettovermögens hat sich auch deshalb zwischen 2017 und 2021 leicht reduziert«, führen die Autoren weiter aus. Dennoch bleibe im europäischen Vergleich das Vermögen weiter ungleich verteilt.

Abzüglich Schulden verfügten demnach die Privathaushalte 2021 durchschnittlich über ein Rekordvermögen (netto) von 316.500 Euro. Das waren 83.600 Euro mehr als bei der Auswertung vier Jahre zuvor, seit 2010/11 kamen gut 121.300 Euro hinzu. Befragt wurden 4119 repräsentativ ausgewählte Haushalte.

Zu dem Vermögensanstieg trug nach Einschätzung der Notenbank auch der Umstand bei, dass viele Menschen in der Coronapandemie weniger Gelegenheiten zum Geldausgeben hatten. Gerade das Vermögen der ärmeren Haushalte besteht demnach in erster Linie aus Guthaben auf Sparkonten und anderen risikoarmen Anlageformen. Bei großen Vermögen machen sich vor allem Immobilien- und Unternehmensbesitz bemerkbar. Die Preise von Immobilien sind zuletzt jahrelang stark angestiegen.

Weil die Durchschnittswerte stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten den sogenannten Medianwert für aussagekräftiger. Er liegt in der Mitte, wenn man die Werte der Größe nach sortiert. Die Haushalte werden in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Allerdings stieg auch dieser Medianwert deutlich von 70.800 Euro im Jahr 2017 auf 106.600 Euro im Coronajahr 2021. Er ist allerdings weiter geringer als in anderen Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag der Median zuletzt bei 150.800 Euro und in Spanien bei 122.000 Euro.

Ungleichheit noch immer relativ hoch

»Unter anderem durch die während der Pandemie angefallenen zusätzlichen Sparguthaben hat sich die Vermögensungleichheit, gemessen an relativen Ungleichheitsmaßen, leicht reduziert«, schreibt die Notenbank. Wie nachhaltig diese Entwicklung sei, bleibe abzuwarten. Da sich die Auswertung auf das Jahr 2021 bezieht, ist die Entwicklung seit dem Ukrainekrieg noch nicht berücksichtigt.

Aufschluss über das Maß der Vermögensungleichheit gibt unter anderem das Verhältnis aus Durchschnittswert und Median. Diese Zahl verringerte sich in Deutschland zuletzt leicht. Doch auch sie liegt in Spanien, Italien und Portugal niedriger. Auch der Gini-Koeffizient, ein weiterer Indikator für Ungleichheit, lag in Deutschland trotz eines Rückgangs höher als in Italien und Portugal.

In Europas größter Volkswirtschaft besitzen die zehn Prozent der reichsten Haushalte 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Zehn Jahre zuvor waren es noch 59 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich mit mageren drei Prozent begnügen. Um zu den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte in Deutschland zu gehören, war 2021 ein Nettovermögen von rund 725.900 Euro nötig.

Die Notenbank hat die Studie zum vierten Mal durchgeführt. Die privaten Haushalte gaben Auskunft über ihr Vermögen: Immobilien und Autos, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Sollseite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden.

Die Umfrage fand zwischen April 2021 und Anfang Januar 2022 statt. Welche Folgen die Entwicklung seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat – gestiegene Inflation und Zinsen, sinkende Immobilienpreise – lässt sich der Notenbank zufolge derzeit kaum abschätzen.

mamk/dpa
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