Versandhaus-Pleite Quelle muss weitere Sicherheiten liefern

Der Versandhändler Quelle muss weiter zittern. Der Bürgschaftsausschuss hat die staatliche Finanzspritze für das insolvente Unternehmen offensichtlich doch nicht abgesegnet. In der bisherigen Form hat der Antrag wohl keine Chance.

Berlin - Erst nein, dann ja, dann vielleicht: Der Bürgschaftsausschuss hat die Entscheidung zur Rettung von Quelle aufgeschoben. Nun hat die Arcandor-Tochter die Chance, fehlende Sicherheiten nachzureichen. Das Unternehmen hat dafür offenbar eine Woche Zeit. Auf dieser Basis soll dann entschieden werden. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es ebenfalls, für den Massekredit seien noch Bedingungen zu erfüllen. Wie "Handelsblatt" und ZDF unter Bezug auf Regierungskreise berichten, vermied der Ausschuss mit der neuen Frist, den Antrag ablehnen zu müssen.

Quelle-Paket: Vorschnelle Vollzugsmeldung aus Bayern

Quelle-Paket: Vorschnelle Vollzugsmeldung aus Bayern

Foto: Eckehard Schulz/ AP

Über eine Nothilfe für den insolventen Versandhändler Quelle hatte es am Mittwoch große Unsicherheiten gegeben. Zwar teilte das bayerische Wirtschaftsministerium mit, der Bürgschaftsausschuss habe sich auf einen Massekredit für das Unternehmen geeinigt. Kurze Zeit später wurde jedoch deutlich, dass eine endgültige Entscheidung längst nicht gefallen ist.

Dem bayerischen Ministerium zufolge hatten der Bund sowie Bayern und Sachsen als beteiligte Länder im Bürgschaftsausschuss die Gewährung eines Massekredits "geprüft und positiv bewertet", nachdem eine staatliche Bürgschaft wegen des bestehenden hohen Risikos nicht in Betracht gekommen sei. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil hatte den Kredit indirekt bestätigt. "Der Massekredit macht den Weg frei für die Entwicklung einer Fortführung von Quelle", erklärte er am Mittwochabend. Quelle hat seinen Sitz in Bayern.

Den Planungen zufolge soll der Massekredit vom Bund und den Bundesländern Bayern und Sachsen kommen. Der Bund übernähme über die Staatsbank KfW 25 Millionen Euro, Bayern 21 Millionen über die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) und Sachsen vier Millionen Euro.

Das Ausfallrisiko ist bei einem Massekredit wesentlich geringer als bei einer Bürgschaft. Über das Notdarlehen können insolvente Firmen den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten; die Kreditgeber erhalten dann vorrangig Geld vom Pleite-Unternehmen.

Eine Staatsbürgschaft ist dagegen vom Tisch. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat der Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern - unter Beteiligung auch eines Vertreters aus Bayern - eine Bürgschaft in einer früheren Sitzung abgelehnt. Der Grund sei, dass bei Quelle eine Überschuldung vorliege, sagte Steinbrück.

Quelle hatte ursprünglich eine Staatsbürgschaft über 50 Millionen Euro beantragt - vor allem, um den Druck des Winterkatalogs zu finanzieren. Dieser ist für das Unternehmen überlebenswichtig, weil er die größten Umsätze erzielt. Die Länder Bayern und Sachsen hatten bereits zugesagt, sich zu beteiligen. Wegen des hohen Ausfallrisikos gab es im Bürgschaftsausschuss aber Bedenken.

mik/Dow Jones/Reuters
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