Versandhauspleite Quelle steht harte Sanierung bevor

Die Aussichten für Quelle sind düster: Dem insolventen Versandhändler drohen tiefe Einschnitte, Jobs sind in Gefahr. Bereits zuvor hatte eine neue Hiobsbotschaft das Unternehmen erschüttert: Der Druck des Winterkatalogs wurde teilweise gestoppt.

München - Es wird ernst für die Mitarbeiter des insolventen Versandhauses Quelle: Die Insolvenzverwalter kündigten an, noch in diesem Monat Eckpunkte eines Sanierungsplans vorzulegen. Rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen derzeit - viele davon werden ihre Jobs verlieren. "Es wird drastische Maßnahmen geben müssen, die auch Arbeitsplätze kosten werden", sagte Jörg Nerlich, der im Team des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg für die Versandsparte Primondo des Arcandor-Konzerns   und damit auch für Quelle zuständig ist.

Quelle-Kataloge: Insolvenzverwalter warnt vor schwerem Schaden

Quelle-Kataloge: Insolvenzverwalter warnt vor schwerem Schaden

Foto: Michael Probst/ AP

Es gebe bereits "erste Interessenten" für eine Übernahme von Quelle, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Allen Beteiligten müsse jedoch klar sein, "dass die Quelle so wie sie ist nicht erhalten werden kann", sagte Nerlich.

Dennoch hofft er, dass der Kern des Fürther Traditionsunternehmens gerettet werden kann. "Wir werden sie durch eine Restrukturierung auf der Kostenseite wieder zum Laufen bringen und so in den sicheren Hafen fahren, dass ein Investor sie übernehmen kann", hofft Nerlich. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass Partner wie Banken und Belegschaft sich kooperativ zeigen.

Wie viele Stellen bei Quelle und in Schwesterfirmen genau wegfallen werden, ist noch unklar. "Wir spielen derzeit die unterschiedlichsten Szenarien durch und schauen uns an, wo sich bei Quelle wie dauerhaft Rendite erzielen lässt und wo wir schneiden müssen", sagte Nerlich. Die Insolvenzverwalter analysieren derzeit, welche Geschäftsfelder des Unternehmens zukunftsfähig sind und welche abgegeben oder abgewickelt werden sollten.

Druckstopp beim Katalog

Einen schweren Schlag versetzte Quelle am Freitag die Nachricht, das Geschäftspartner den Druck des Winterkataloges des Versandhauses ausgesetzt haben. Insolvenzverwalter Görg warnte deshalb vor Schaden "in großer Höhe" für Quelle. Dadurch könne die Überlebensfähigkeit des insolventen Unternehmens beeinflusst werden, zitierte der "Focus" aus einem Schreiben. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte am Freitag die Existenz des Briefs.

Görg bittet darin die Druckereien, die Auslieferung nicht länger zu blockieren und in Vorkasse zu gehen. Die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Katalogs seien zwar verständlich. "Andererseits verursachen sie Tag für Tag Schäden in großer Höhe", schreibt Görg. Das schmälere die Aussichten der Lieferanten, auch künftig mit Quelle Geschäfte zu machen.

Betroffen von dem Produktionsstopp sind bis zu drei der insgesamt neun Millionen Kataloge. Quelle wird nach Angaben der Insolvenzverwalter voraussichtlich erst Mitte nächster Woche wieder über die notwendigen Gelder verfügen, um seine Lieferanten zu bezahlen. Zwar sei ein staatlicher Kredit bewilligt, doch die Ausarbeitung des Kreditvertrages brauche Zeit.

Zwei an der Produktion beteiligte Druckereien - die Schlott Gruppe und Print Forum - hatten Eigentumsvorbehalte auf bereits vorproduzierte Bögen geltend gemacht, berichtete die für die Produktion federführende Prinovis-Druckerei am Freitag . Die Maschinen seien deshalb bereits am Mittwochabend angehalten worden.

Der Sprecher der Großdruckerei Schlott, Marco Walz, begründete den Schritt mit der anhaltenden Unsicherheit über die Bezahlung der Druckaufträge: "Es gibt keine Zusage, dass wir Geld bekommen." Das Unternehmen mit Sitz in Freudenstadt im Schwarzwald druckt vom Gesamtvolumen rund ein Drittel der Kataloge. Sobald es eine Zusage vom Insolvenzverwalter über die Bezahlung gebe, würden Druck und Auslieferung des Katalogs wieder aufgenommen, sagte Walz.

beb/ddp/dpa/AP
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