Verschlusssache Vorstandsgehalt Die größten Geheimniskrämer in deutschen Chefetagen

Der öffentliche Druck zeigt Wirkung. Immer mehr der 30 Dax-Unternehmen weisen das Salär der Vorstände individuell aus. Einige Konzerne aber weigern sich hartnäckig. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer sagt, wie viel er verdient, und wer dazu schweigt.

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Hamburg - In den vergangenen drei Monaten gaben gleich mehrere Schwergewichte nach. Im September kündigten der Maschinenbaukonzern MAN Chart zeigen und die Versicherung Allianz Chart zeigen die individuelle Offenlegung der Vorstandsgehälter an. Jüngst folgten mit Volkswagen Chart zeigen und Siemens Chart zeigen zwei weitere Dax-Unternehmen.

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Vorstandsgehälter: Die Geheimniskrämer

Das Quartett gehörte bislang zu den Schweigern im wichtigsten deutschen Börsensegment. Eine Mehrheit der Firmen weist zwar die Vergütung für die komplette Chefetage aufgeschlüsselt nach Fixgehalt und variablen Bestandteilen aus, verweigert aber die Bekanntgabe der einzelnen Gehälter.

Sanktionen drohen deswegen keine, juristische Mittel gegen die Geheimniskrämerei gibt es nicht. Die Offenlegung der Gehälter der einzelnen Vorstände haben im Regelwerk für korrekte Unternehmensführung, dem Deutschen "Corporate Governance Kodex", den Status einer Empfehlung. Befolgen Unternehmen diese nicht, müssen sie den Aktionären lediglich eine Begründung liefern.

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Vorstandsgehälter: Die Auskunftsfreudigen

Während einige Vorstände mit Verweis auf diese "Kann"-Regel weiter schweigen, befolgen andere Kollegen die Empfehlung teilweise. So beschränken sich die Commerzbank Chart zeigen und der Pharmakonzern Schering Chart zeigen darauf, nur das Salär des Vorstandssprechers beziehungsweise des Vorstandsvorsitzenden zu publizieren.

Auch der scheidende MAN-Chef Rudolf Rupprecht favorisiert diesen Zwischenweg. "Das Interesse der Öffentlichkeit richtet sich auf den Vorstandsvorsitzenden. So bleibt die Privatsphäre der übrigen Vorstandsmitglieder gewahrt", erklärt ein Sprecher.

Spaltung im Dax

Insgesamt zeigt sich eine Spaltung im Dax. 15 Unternehmen sind bei der Bekanntgabe der individuellen Vergütungen verschwiegen. Die anderen 15 haben die feste Absicht die einzelnen Gehälter ganz oder teilweise offen zu legen, beziehungsweise haben dieses bereits getan.

Hauptversammlung: Keine juristischen Mittel gegen Geheimniskrämerei
DDP

Hauptversammlung: Keine juristischen Mittel gegen Geheimniskrämerei

Vielen Politikern geht das noch nicht weit genug. Sie fordern mehr Transparenz zu Gunsten der Aktionäre. Entsprechend drohte Justizministerin Brigitte Zypries vor wenigen Monaten mit einem entsprechenden Gesetz, wenn die restlichen Unternehmen ihren Widerstand nicht aufgeben. Zuletzt legte das Bundesland Bayern nach. Die "Financial Times Deutschland" zitierte am Dienstag aus einem Gesetzentwurf, wonach die Hauptversammlung künftig zu einem detaillierten Vergütungsbericht des Aufsichtsrats Stellung nehmen soll.

Angesichts des steigenden Drucks kündigen sich weitere Frontwechsel an. So diskutieren etwa die Verantwortlichen beim Reisekonzern TUI Chart zeigen nach Angabe eine Sprechers derzeit über die individuelle Bekanntgabe der Gehälter. Beim Automobilzulieferer Continental Chart zeigen beschäftigt das Thema die Verantwortlichen ebenfalls. Auch HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl denkt laut über eine Veröffentlichung nach. Einen konkreten Zeitpunkt für den Seitenwechsel nennt allerdings keiner.

Anders E.ON Chart zeigen: Bei dem Energiekonzern wird es noch vor Weihnachten eine Entscheidung geben. Schon bei der vergangenen Hauptversammlung hieß es, die aktuelle Praxis, das Salär im Paket zu veröffentlichen, sei "nicht in Stein gemeißelt".

Sollte E.ON sich für die individuelle Offenlegung entscheiden, würde im Dax erstmals eine knappe Mehrheit der Unternehmen der Empfehlung grundsätzlich folgen. Der Druck auf die Widerständler würde steigen.



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