Versicherung Allianz streicht 7500 Stellen

Fast 7500 Stellen will der größte deutsche Versicherungskonzern Allianz streichen. 5000 Arbeitsplätze sollen bei der Allianz selbst wegfallen, weitere 2480 bei der Tochter Dresdner Bank, wie das Unternehmen heute in München bekannt gab.


München - Der Stellenabbau soll nach Angaben des Konzerns bis 2008 umgesetzt sein. Für die Beschäftigten der Allianz Chart zeigen ist ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zumindest Ende 2007 vereinbart.

Protestplakat vor der Allianz-Niederlassung in Köln: Standort wird komplett geschlossen
AP

Protestplakat vor der Allianz-Niederlassung in Köln: Standort wird komplett geschlossen

Die Gewerkschaft Ver.di kündigte Warnstreiks an. "Die Beschäftigten haben angesichts des Rekordgewinns der Allianz von 4,5 Milliarden Euro kein Verständnis für den Umgang des Konzerns mit den Beschäftigten. Sie erwarten zu Recht, dass ein Umbau des Konzern mit ihnen und nicht gegen sie umgesetzt wird", betonte Ver.di-Vorstandsmitglied Uwe Foullong.

Das Unternehmen will die bislang eigenständigen Sparten Sach-, Lebens- und Krankenversicherung mit bislang 38.000 Mitarbeitern zusammenführen und die getrennten Vertriebswege bündeln, um effizienter zu werden. Mit der vereinfachten Struktur würden Kosten um bis zu 500 bis 600 Millionen Euro gesenkt, erklärte das Unternehmen heute. Auch das Geschäft der Tochter Dresdner Bank soll neu strukturiert werden. Die Kosten für den weit reichenden Umbau des Konzerns sollen bei rund einer halben Milliarde Euro liegen. Ziel sei, eine Basis für weiteres Wachstum zu schaffen, hieß es.

Allianz-Vorstand Michael Diekmann hatte im vergangenen September angekündigt, das Inlandsgeschäft zu straffen sowie das einheimische Versicherungsgeschäft umzubauen. Er betont seither, dass der Umbau auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ziele und nicht reine Kostensenkungen im Vordergrund stünden. "Was wir heute auf den Weg bringen, ist die Basis für zukünftiges profitables Wachstum unserer Gesellschaften in Deutschland", sagte er.

"Einschneidende und schmerzliche Schnitte"

Der Chef der Allianz Deutschland, Gerhard Rupprecht, begründete die Maßnahme mit massiven Kundenverlusten und höherem Kostendruck. "Das sind sehr einschneidende und schmerzliche Schritte, das ist uns allen bewusst, aber es sind eben auch notwendige Schritte."

Statt 21 gibt es künftig nur noch zehn Allianz-Verwaltungsstandorte. Am härtesten trifft es Köln: Die Niederlassung mit 1300 Vollzeitstellen soll Anfang 2008 komplett geschlossen werden. Auch die großen Niederlassungen der Lebensversicherung in Frankfurt am Main und der Krankenversicherung in Dortmund sowie die Schadenbearbeitungsbüros Aachen, Mainz, Mannheim, Freiburg, Ulm, Augsburg, Nürnberg, Hannover und Magdeburg fallen dem Umbau vollständig zum Opfer. Es werde aber "an allen anderen Standorten auch Personaleinsparungen geben", sagte Rupprecht.

Die Dresdner Bank teilte heute mit, sie rechne durch den Abbau von 2480 Stellen - davon 1980 im inländischen und 500 im ausländischen Geschäft - mit einer Verbesserung des Ergebnisses. "2008 erwartet die Dresdner Bank Synergieeffekte in Höhe von insgesamt 600 Millionen Euro, davon rund 350 Millionen Euro aus Erträgen und rund 250 Millionen Euro aus Kosten", hieß es. Bankchef Herbert Walter bekräftigte, Ziel sei weiter eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent nach Steuern im Jahr 2008. Die nach wie vor ertragsschwache Bank wolle bis dahin per saldo die Kostenbasis stabil halten und stärker als der Markt wachsen. Das Kreditinstitut hatte bereits in den Jahren 2001 bis 2004 Arbeitsplätze gestrichen.

Die Reduzierung von Stellen bei Allianz und Dresdner Bank war erwartet worden. Branchenkenner rechneten bislang damit, dass der Konzern insgesamt 5000 Arbeitsplätze streichen würde. Pessimistischere Einschätzungen gingen von 10.000 Jobs aus, die wegfallen würden.

kaz/AFP/dpa/AP/Reuters



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