Verstaatlichung HRE-Großaktionär Flowers attackiert Bundesregierung

Wer setzt sich durch im Übernahmestreit um die Hypo Real Estate? Christopher Flowers, Großaktionär bei der maroden Immobilienbank, rechnet sich gute Chancen aus, zu gewinnen. Den Vorwurf, die Bundesregierung zu erpressen, weist er zurück.


Frankfurt am Main - Der amerikanische Großaktionär J.C. Flowers ist im Streit mit der Bundesregierung über die Verstaatlichung des Immobilienkonzerns Hypo Real Estate (HRE) zuversichtlich.

Finanzmagnat Flowers: Juristische Schritte angekündigt
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Finanzmagnat Flowers: Juristische Schritte angekündigt

"Rechtsgutachten bestätigen unsere Ansicht, dass eine Enteignung gesetzwidrig ist. Wir rechnen uns gute Chancen auf dem Rechtsweg aus", sagte Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und attackierte erneut die Bundesregierung: "In vielen Teilen der Welt greifen Staaten als Retter von Banken ein. Wurden hier überall die Aktionäre enteignet? Nein. Es geht auch anders."

Der Investor bestritt, dass er den deutschen Staat um mehr Geld für die HRE-Aktien erpressen wolle. "Wir wollen keinen höheren Preis, wir wollen überhaupt keinen Steuer-Cent, wir wollen Aktionär bleiben, uns als langfristig denkender Investor an der Sanierung beteiligen."

An einem Punkt sei er sich mit der Bundesregierung einig, sagte Flowers. "Der Zusammenbruch der HRE wäre ein Desaster. Würde sie kippen, wäre dies mit Lehman zu vergleichen." Der Verlust mit den HRE-Anteilen schmerze ihn: "Egal, wie es kommt: Es geht nur noch darum, ob wir sehr viel Geld verlieren. Oder sehr, sehr viel Geld", sagte der Amerikaner, der voriges Jahr eine Milliarde Euro in den Kauf von HRE-Aktien investiert hatte.

Wenige Tage vor dem Ablauf des staatlichen Übernahmeangebots für den Immobilienkonzern hatte Flowers am Donnerstag angekündigt, er werde seine Aktien nicht zum Preis von 1,39 Euro an den Bund verkaufen und notfalls rechtliche Schritte einleiten. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ließ an seiner Entschlossenheit keinen Zweifel: Wenn Flowers das Angebot nicht annehme, dann werde es eine Enteignung geben. Die Preisvorstellungen des US-Investors seien zu hoch.

Der Bund hat die Möglichkeit einer Enteignung, nachdem die Bundesregierung im Februar das "Rettungsübernahmegesetz" gebilligt hatte, das diesen Schritt als letztes Mittel ermöglicht. Steinbrück verwies darauf, dass die HRE-Aktionäre im Grunde schon enteignet seien, denn das Institut existiere nur noch dank der Finanzhilfen von 102 Milliarden Euro. Die Aktionäre einschließlich Flowers seien vom Markt enteignet worden. Flowers und ihm verbundene Investoren hielten zuletzt rund 22 Prozent der Aktien.

Das staatliche Übernahmeangebot an die Aktionäre der HRE läuft noch bis Montag (4. Mai). Die Hypo Real Estate mit Sitz in München stand im vergangenen Jahr wegen der Schwierigkeiten ihrer Tochter Depfa Bank kurz vor dem Kollaps und wird seitdem mit insgesamt 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital am Leben gehalten. Über weitere Hilfen wird verhandelt.

pad/dpa



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