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19. August 2008, 08:29 Uhr

Verstaatlichung

Venezuela besetzt mexikanische Zementfabrik

Einmal mehr brüskiert Venezuelas Staatschef Hugo Chávez ein ausländisches Unternehmen. Im Zuge seiner Politik der Nationalisierung droht er dem mexikanischen Zementhersteller Cemex die Zwangsverstaatlichung an.

Caracas - Dem Zementkonzern Cemex aus Mexiko droht in Venezuela das Aus. Da die Frist zur Einigung über den zu zahlenden Entschädigungspreis abgelaufen sei, solle das Unternehmen nun enteignet werden, erklärte Energie- und Ölminister Rafael Ramirez am gestrigen Montagabend in Caracas.

Venezuelas Präsident Chávez: Häuser für die Armen
REUTERS

Venezuelas Präsident Chávez: Häuser für die Armen

Cemex habe für seine Aktivitäten mit 1,3 Milliarden Dollar eine viel zu hohe Summe verlangt. Der Staat werde schon am Dienstag die Kontrolle über alle vier Cemex-Anlagen in Venezuela übernehmen, kündigte Ramirez an. Von Soldaten besetzt wurde allerdings vorerst nur die Cemex-Filiale in Maracaibo im westlichen Bundesland Zulia. Größere Zwischenfälle gab es bei der Aktion offenbar nicht.

Der linksnationalistische Staatspräsident Hugo Chávez hatte die Nationalisierung der Zementindustrie im südamerikanischen Land bereits im April angekündigt. Mit den Vertretern der lokalen Tochtergesellschaften der Konzerne Holcim aus der Schweiz und Lafarge aus Frankreich handelte die Regierung in Caracas nach langen Verhandlungen inzwischen Kaufpreise aus. Venezuela zahlt demnach 552 Millionen Dollar für 85 Prozent an der örtlichen Holcim-Tochter sowie 267 Millionen Dollar für einen 89-prozentigen Anteil am lokalen Lafarge-Ableger.

Chávez begründet die Attacke auf die Unternehmen mit dem grassierenden Zementmangel. Er warf den Herstellern vor, aufgrund "neoliberaler Firmenprozesse" zu exportorientiert zu sein. Er wolle Häuser für die Armen bauen, und das sei nur mit einem Zement-Staatsunternehmen möglich, so Chávez. Die Regierung in Venezuela hat in den vergangenen zwei Jahren wichtige Teile der Wirtschaft verstaatlicht, darunter Ölprojekte, Telekommunikations-Unternehmen, Stahlfabriken und Banken.

suc/Reuters/dpa

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