Vertragsverlängerung bei VW Pischetsrieders quälende Wackelpartie

Die Verlängerung des Vertrages für VW-Chef Pischetsrieder soll mehreren Zeitungen zufolge doch noch nicht in der kommenden Woche entschieden werden. Die Arbeitnehmer wollen im Poker um das Sanierungsprogramm ihre Trumpfkarte nicht aus der Hand geben.


Frankfurt am Main - Die Vertreter der Arbeitnehmer im VW-Aufsichtsrat hätten sich darauf verständigt, vor dem Aktionärstreffen am Mittwoch keine Entscheidung zu treffen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ohne nähere Angabe von Quellen. Sollte die Arbeitgeberseite in der Sitzung am Dienstag dennoch eine Abstimmung durchsetzen, werde Pischetsrieder nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit in dem paritätisch besetzten Kontrollgremium erreichen. Hintergrund sei, dass die Arbeitnehmervertreter im Streit um das VW-Sanierungsprogramm einen Trumpf in der Hand behalten wollten.

Vorstandschef Pischetsrieder: Entscheidung erst in vier Wochen?
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Vorstandschef Pischetsrieder: Entscheidung erst in vier Wochen?

Am Samstag hatte bereits die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, es werde nun doch zu einer Kampfabstimmung im Aufsichtsrat kommen. Arbeitgeberseite und Arbeitnehmervertreter seien darauf eingestellt, dass es bei der Sitzung des Kontrollgremiums am 2. Mai nicht zu der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit komme. Daher werde es vier Wochen später eine erneute Abstimmung geben, bei der die einfache Mehrheit der Arbeitgeberseite zusammen mit dem Doppelstimmrecht des Aufsichtsratschefs reiche.

Belegschaft findet Sanierungsplan "unpräzise"

"Pischetsrieder wird wiedergewählt, daran gibt es keinen Zweifel. Notfalls mit der Zweitstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden in einer zweiten Sitzung nach vier Wochen", zitierte die "SZ" einen nicht näher genannten Vertreter der Kapitalseite im Kontrollgremium. "Es kann sein, dass Pischetsrieder ohne den überwiegenden Teil der Arbeitnehmervertreter gewählt wird", zitierte die Zeitung ein Mitglied der Arbeitnehmerbank. Die Belegschaftsvertreter seien unzufrieden mit dem Sanierungsplan, den der VW-Chef bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung vorgelegt habe. Der Plan sei unpräzise, kritisierte die Arbeitnehmerseite laut der Zeitung.

VW stellt im Zuge der von Pischetsrieder angekündigten Sanierung bis zu 20.000 Arbeitsplätze in den schwach ausgelasteten und unrentablen westdeutschen Werken in Frage. Das ist ein Fünftel der Belegschaft. Über die Neuordnung verhandelt der Vorstand zurzeit mit dem Betriebsrat. Erste Ergebnisse sollen auf der Hauptversammlung bekannt gegeben werden.

Nach wochenlangen Querelen hatte sich zuletzt eigentlich eine vorzeitige Vertragsverlängerung abgezeichnet. Der Aufsichtsrat hatte Pischetsrieder für den eingeschlagenen Sanierungskurs den Rücken gestärkt. Auch Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der unlängst mit einem Zeitungsinterview Zweifel an Pischetsrieder geschürt hatte, hatte dem Konzernchef eine Vertragserneuerung in Aussicht gestellt.

itz/Reuters

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