Verunsicherte Anleger Der Dax knackt den Rekord - und jetzt?

Der Dax hat nach mehreren Anläufen nun doch die bisherige Bestmarke von 8136 Punkten geknackt. Und böse Erinnerungen werden wach - beim letzten Mal folgte kurz nach dem Rekord ein tiefer Absturz. Diesmal aber ist alles anders, glauben Experten.

Von Arne Gottschalck


Hamburg/Frankfurt am Main - Der Dax Chart zeigen hat es endlich geschafft und die bisherige Bestmarke von 8136 Punkten geknackt. Der Index stieg heute zwischenzeitlich auf 8151 Punkte. Einige Marktteilnehmer waren sich bereits vor ein paar Wochen sicher, dass es binnen Stunden oder höchstens Tagen so weit sein würde. "Der Markt will das Rekordhoch sehen - wenn die Wall Street mitspielt", sagte ein Händler da voraus. Ähnlich sah das Ascan Iredi, Leiter des Aktienhandels bei der Postbank Chart zeigen: "Die Anleger stocken in dem freundlichen Marktumfeld ihre Positionen weiter auf".

Doch es dauerte länger als gedacht, immer wieder nahm der Dax Anlauf, sackte dann wieder weg. So wie Anfang dieser Woche. Einer der Gründe: Zwei Hedgefonds von Bear Stearns waren in den USA in die Krise geraten und hatten die Börsianer verunsichert. Die Anleger misstrauten daraufhin dem amerikanischen Immobilienmarkt sowie der Finanzbranche.

Ist das Herumeiern am Aktienmarkt ein Grund zur Besorgnis? Müssen Anleger nun befürchten, dass die Kurse jetzt, kurz nach dem Allzeit-Rekord wieder einbrechen werden - möglicherweise viel stärker als bisher? Sind Hedgefonds wie die von Bear Stearns beispielsweise ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für die Finanzmärkte? Holger Bahr, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Dekabank, erklärt die Minikrise von letzter Woche so: Das Problem von Hedgefonds liege darin, "dass es keine Statistiken darüber gibt, woran diese Fonds beteiligt sind und wie sie gehebelt sind - und das macht die Leute nervös."

Dazu kämen die bisherigen Wertsteigerungen des deutschen Standardindex. "Aktuell leben wir in einer Gemengelage, in der immer wieder Befürchtungen hochkommen. Sei es die Inflation, über die man wieder spricht. Oder die Hegdefonds oder der Sack Reis, der in China umfällt", so Bahr. Solche Ereignisse, die die Anleger an das Risiko der Aktien erinnern, werde es immer wieder geben, und sie werden sicher immer wieder zu kleineren Turbulenzen führen.

"Die Betriebe veränderten ihre Effizienz laufend"

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Alles in allem aber darf man sich über den Rekord erst einmal uneingeschränkt freuen, obwohl nur wenige Bundesbürger von dem Aktienboom profitieren. Dass auf den Rausch der Riesen-Crash folgt, wie nach dem letzten Mal im März 2000, halten die meisten Experten für unwahrscheinlich. Damals basierten die hohen Bewertungen überwiegend auf viel zu kühnen Umsatzerwartungen. So rauschte der Index in den Jahren nach dem Hoch in den Keller und verlor 70 Prozent an Wert. Heute sind die Anleger vernünftiger. Viele Börsianer betonen, dass anders als im März 2000 die Börse nicht in Euphorie verfallen sei.

"Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis ist der Dax keineswegs überwertet. Rechnet man die Dividenden aus dem Dax heraus, der ja ein Perfomance-Index ist, dann lägen wir bei gut 6600 Punkten. So gesehen haben deutsche Aktien noch gute Luft zum Atmen", sagt auch Bahr.

"Die Aktien sind keineswegs überbewertet", so auch die Einschätzung von Franz Wenzel, der bei Axa Investments die Strategie vorgibt. "Sei es gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, am Buchwert oder der Risikoprämie. Angesichts eines Gewinnwachstums in Höhe von zehn Prozent oder mehr scheint ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 bis 14 nicht hoch." Deutschlands Betriebe haben sich eben verändert. "Die Unternehmen verbessern ihre Effizienz laufend. Noch vor wenigen Jahren geschah das immer nur in Wellen", sagt Bahr.



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