Viagra-Streit Pfizer klagt gegen Bayers Potenzpille

Der Pharmariese Pfizer versucht, sein Umsatz- und Erektionswunder Viagra gegen die neidische Konkurrenz zu schützen. In dem USA hat der Konzern nun insgesamt fünf Konkurrenten verklagt, die ähnliche Potenzpillen auf den Markt bringen wollen.


Kleines, blaues Umsatzwunder: Viagra, der Stoff, aus dem Männer- und Managerträume sind
DPA

Kleines, blaues Umsatzwunder: Viagra, der Stoff, aus dem Männer- und Managerträume sind

New York - Das Timing der Klagen ist auffällig. Gerade in den letzten Tagen hat die politische Kritik an der Art und Weise, in der die Pharmaindustrie ihre Patentrechte auslegt, wieder einmal zugenommen. Erst am Montag hatte US-Präsident George W. Bush kritisiert, dass die Pharmakonzerne durch übertrieben breit ausgelegte Patenansprüche verhindere, dass billige Nachahmerpräparate (Generika) auf den Markt kommen. So werde die Konkurrenz auf dem Markt zum Nachteil der Patienten geschmälert.

Der Pfizer-Konzern indes nimmt es offenbar in Kauf, dass die Klagen ihm negative Publicity einbringen können. Mit den Patentklagen, die in einem Distriktgericht um US-Bundesstaat Delaware eingereicht wurden, richtet sich der Viagra-Hersteller neben Bayer auch gegen Eli Lilly, Icos und GlaxoSmithKline. Ihnen allen wirft Pfizer vor, das Viagra-Patent zu verletzen.

Die Zeit drängt für den Konzern, der mit Viagra 1,5 Milliarden Dollar im Jahr umsetzt. Bayer entwickelt gemeinsam mit Glaxo das Konkurrenzprodukt Levitra, das im nächsten Jahr von der US-Aufsichtsbehörde FDA die Zulassung erhalten dürfte. Eli Lilly und Icos kooperieren beim Potenzmittel Cialis, das vermutlich ebenfalls ab 2003 verkauft werden kann.

Pfizer hatte sein US-Patent auf Viagra zuvor noch einmal ausweiten können - dies legte die Grundlage für die Klagen. US-Kommentatoren bewerteten den neuen Patentanspruch Pfizers als ungewöhnlich weitgehend. Im bisher schon bitteren Streit um geistige Besitzrechte werde hier ein neuer Akt eingeleite.

Bei dem neuartigen Patent, das bis 2019 laufen soll, handelt es sich um ein so genanntes "Gebrauchspatent". Pfizer beansprucht das Recht an allen Wirkstoffen, die die Funktion eines bestimmten menschlichen Enzyms behindern - auch wenn diese Wirkstoffe von dem bei Viagra eingesetzten abweichen. Bisher hatten sich Pharmaunternehmen meist die Rechte an spezifischen Chemikalien schützen lassen.

Bayer setzt große Hoffnung in sein Präparat. Mit den Einnahmen will der Leverkusener Konzern seine Ergebnisausfälle ausgleichen, die durch den Rückzug des Cholesterinsenkers Lipobay entstanden. Analysten schätzen, dass auch Levitra einen Jahresumsatz von einer Milliarden Euro erzielen könnte.



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