Geschönte Gütesiegel Verbraucherschützer rüffeln Fair-Trade-Produkte

Rechentricks und Etikettenschwindel: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Verbraucherzentrale Hamburg bei einem Test die Hälfte aller angeblich gerecht gehandelten Produkte durchfallen lassen.
Kaffee: Wann ist er wirklich fair erzeugt und gehandelt?

Kaffee: Wann ist er wirklich fair erzeugt und gehandelt?

Foto: A3817 Tobias Felber/ dpa

Hamburg - In einem Test von 32 fair gehandelten Produkten hat die Verbraucherzentrale Hamburg die Hälfte durchfallen lassen und als "intransparent" bewertet. Bei vielen Produkten sprechen die Verbraucherschützer sogar von "Etikettenschwindel". (Lesen Sie mehr zum Thema hier im aktuellen SPIEGEL.)

Außer an einem undurchschaubaren "Wirrwarr" von 27 verschiedenen Siegeln störten sich die Tester vor allem an Rechentricks: Ein Eiskaffeehersteller schraubte seinen Anteil an fair gehandelter Ware von sechs auf 60 Prozent hoch, indem er bei den Zutaten das Wasser und den Wasseranteil der Milch herausrechnete. Ein Orangensaftproduzent bewarb sein Produkt mit "100% Orange Fair", was als "Verbrauchertäuschung" kritisiert wurde. Auf dem Etikett werde nicht erwähnt, dass die faire Ware im Erzeugerland mit konventioneller Ware vermengt wurde. Ein solcher Mengenausgleich ist zwar erlaubt, muss zumindest in Deutschland aber auf dem Etikett vermerkt sein. Das war bei dem untersuchten Produkt nicht der Fall.

Nach außen hin steht das bekannteste Ethiksiegel Fairtrade gut da: 654 Millionen Euro Umsatz erzielten 2013 allein in Deutschland Produkte mit dem blau-grünen Logo. Zuletzt jedoch geriet die Organisation auch in die Kritik: Die massenhafte Zertifizierung von Betrieben hatte etwa zur Folge, dass die Produzenten auf ihrer Fair-Trade-Ware sitzen blieben. Kompromisse mit der Industrie führten dazu, dass mit Gepa eine der ältesten Fair-Handels-Firmen inzwischen auf das Fairtrade-Logo verzichtet.

ric
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