Viele Jobs Arbeitslosenzahl steigt überraschend wenig

Milder Winter auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbslosen ist im Dezember nur um 28.000 auf 3,406 Millionen gestiegen. Saisonbereinigt sank sie sogar, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit.


Nürnberg - Vorbei die Zeiten, als Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise zum Jahreswechsel mehr als fünf Millionen Arbeitslose melden musste - Ende 2007 ist die Zahl der Erwerbslosen wesentlich weniger gestiegen als sonst im Winter. Mit 3,406 Millionen Arbeitslosen waren 600.000 Menschen weniger ohne Job als noch vor einem Jahr.

Im Westen Deutschlands stieg die Zal der Arbeitlosen den Angaben zufolge im Dezember gegenüber dem Vormonat um 6000 auf 2,231 Millionen. Damit lag die Arbeitslosenquote bei 6,7 Prozent. In den neuen Bundesländern erhöhte sie sich um 22 000 auf 1,176 Millionen womit die Quote bei 13,7 Prozent lag.

Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit im Monatsvergleich um 78.000 gesunken. Die Quote lag wie schon im Vormonat bei 8,1 Prozent, vor einem Jahr hatte sie noch bei 9,6 Prozent gelegen. "Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach wie vor hoch und lässt erwarten, dass sich der Beschäftigungsaufbau auch 2008 fortsetzt", sagte Weise. Für die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sind Volkswirte zuversichtlich. Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe sei unverändert hoch. Auch 2008 sollten neue Jobs geschaffen werden. Dabei gehöre die Dienstleistungsbranche erneut zu den Gewinnern, während in der Industrie tendenziell weiter Arbeitsplätze abgebaut würden. Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, prognostiziert insgesamt einen Jahresdurchschnitt von 3,5 Millionen Arbeitslosen.

Franz rechnet für 2008 außerdem mit einem stetigen Wirtschaftswachstum. Der Aufschwung sei nicht vorbei, "die Konjunkturdynamik wird sich allerdings verlangsamen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Der Sachverständigenrat rechne zwar nur mit einem Wachstum von 1,9 Prozent. "Dennoch können wir vorsichtig optimistisch sein, dass das neue Jahr ein zufriedenstellendes wird." Nachdem 2007 die Preissteigerungsrate durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer belastet worden sei, dürfte sie 2008 mit etwa zwei Prozent wieder deutlich niedriger sein, meint der Mannheimer Wirtschaftsprofessor.

Franz mahnt zur Lohnzurückhaltung

Franz mahnte angesichts von Forderungen von bis zu acht Prozent mehr Gehalt aber zur Zurückhaltung bei den anstehenden Tarifrunden. "Wichtig ist jetzt, dass wir die Früchte einer moderaten Tariflohnpolitik der vergangenen Jahre weiterhin ernten und das Wachstum verstetigen." Dieser "vernünftige Kurs" müsse fortgeführt werden, sagte Franz. Gesamtwirtschaftlich bestehe ein Verteilungsspielraum von 2,0 bis 2,5 Prozent, jedoch kommt es auf den Spielraum der jeweiligen Branchen an.

Sein genereller Optimismus dürfte so manchen Bundesbürger aber wieder beruhigen – nachdem der gestrige Tag voll mit Ereignissen war, die auf schlechte Zeiten hinzuweisen schienen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nahm seine Konjunkturprognose für 2008 zurück – er geht nun nur noch von einem Wachstum unter zwei Prozent aus. Bereits im Oktober hatte die Regierung ihre Vorausschau von 2,4 auf 2,0 Prozent gesenkt. Noch dazu stieg der Ölpreis gestern Abend zwischenzeitlich auf den Preis von 100 Dollar pro Barrel.

ase/AP/dpa



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