Im Vietnamkrieg genutztes Gift Gericht weist Agent-Orange-Klage gegen Chemieriesen zurück

Unter dem US-Giftstoffeinsatz im Vietnamkrieg leiden bis heute Menschen. Eine 79-Jährige klagte deswegen gegen die Hersteller des Agent-Orange-Gifts. Ein französisches Gericht wies die Klage nun jedoch zurück.
Ein vietnamesischer Soldat steht neben einem Schild, das vor dem Gift warnen soll

Ein vietnamesischer Soldat steht neben einem Schild, das vor dem Gift warnen soll

Foto: THOMAS WATKINS/ AFP

Ein französisches Gericht hat eine Klage gegen mehrere Chemie-Unternehmen wegen des giftigen Entlaubungsmittels Agent Orange, das im Vietnamkrieg eingesetzt worden war, für unzulässig erklärt. Die Unternehmen hätten damals im Auftrag der USA gehandelt und könnten sich vor dem Gericht in Frankreich auf Immunität von der Gerichtsbarkeit berufen, entschied ein Gericht in Évry südlich von Paris. Damit wies das Gericht Schadensersatzansprüche der Klägerin zurück.

Die 79 Jahre alte Tran To Nga war als junge Frau im Vietnamkrieg mit Agent Orange in Berührung gekommen und leidet laut der französischen Nachrichtenagentur AFP an unheilbarem Krebs. Ihre Klage richtete sich gegen insgesamt 14 internationale Chemiekonzerne, die ihr eine Entschädigung angeboten hatten. Doch Nga betonte, es gehe ihr nicht um Geld, sondern um Gerechtigkeit. Eine ihrer Töchter starb an einer Fehlbildung des Herzens, eine weitere leidet ebenfalls unter Herzproblemen.

Die Konzerne, zu denen auch der vom deutschen Pharmariesen Bayer übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto gehört, bestritten die Zuständigkeit des Gerichts in Évry. Der Anwalt von Monsanto argumentierte, die USA hätten »Agent Orange« für die nationale »Verteidigung« eingesetzt, ein ausländisches Gericht könne sich deshalb nicht mit der Sache befassen. Der Bayer-Konzern betonte, allein die damalige Regierung in Washington sei für den Gifteinsatz verantwortlich »und nicht die Lieferanten zu Kriegszeiten«.

Bayer sieht USA und nicht Unternehmen in Verantwortung

Man habe großes Mitgefühl mit der Klägerin und allen Menschen, die unter dem Vietnamkrieg gelitten haben, teilte der Konzern Bayer auf Anfrage mit. »Es ist allerdings seit vielen Jahren von Gerichten anerkannt, dass Unternehmen, die zu Kriegszeiten im Auftrag der US-Regierung produzierten, nicht für mögliche Schäden verantwortlich sind«, hieß es.

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Agent Orange – ein Entlaubungsgift als Kriegswaffe

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Während des Vietnamkriegs zwischen dem kommunistisch regierten Norden und dem von den USA unterstützten Süden versprühten die Amerikaner von 1962 bis 1971 massenhaft chemische Mittel wie das hochgiftige Agent Orange. Sie wollten damit den dichten Dschungel entlauben, der den Vietcong-Kämpfern als Rückzugsgebiet diente.

Unter den Folgen des amerikanischen Giftstoffeinsatzes leiden Vietnamesen, aber auch US-Soldaten. Das in dem Entlaubungsmittel enthaltene Dioxin wird für Krebs und schwere Fehlbildungen verantwortlich gemacht. Die Klägerin führt seit mehreren Jahren einen zivilen Rechtsstreit gegen die Unternehmen und wird von einer Reihe von Organisationen unterstützt.

hba//dpa/AFP
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