Vioxx-Skandal Merck kauft sich von Ansprüchen frei

Der US-Pharmakonzern Merck will zahlen: Wegen erhöhten Infarktrisikos kam sein Schmerzmittel Vioxx 2004 vom Markt - Zehntausende Patienten klagten. Nach jahrelangen Verhandlungen vor Gericht ist das Unternehmen nun zu einem Einlenken bereit.

New York/London - Der US-Pharmakonzern Merck   hat in den Gerichtsverfahren um das Schmerzmittel Vioxx mit den Klägern auf eine Milliardenzahlung geeinigt. Das teilte das Unternehmen heute mit und bestätigte damit einen Bericht des "Wall Street Journal". Demnach zahle Merck 4,85 Milliarden Dollar und lege so einen signifikanten Anteil der Klagen bei.

In den vergangenen Jahren hatte Merck immer darauf bestanden, jede einzelne der 26.600 Klagen von 47.000 Klägern sowie 265 mögliche Sammelklagen vor Gericht zu verhandeln. Seit Beginn der Gerichtsverhandlungen hat das Unternehmen elf Prozesse gewonnen und fünf verloren. Im dritten Quartal verbuchte Merck in Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren eine Belastung von 160 Millionen Dollar. Zuletzt lagen die Rückstellungen für Anwaltskosten in Zusammenhang mit Vioxx laut Merck bei 720 Millionen Dollar. Mit Vioxx machte der Konzern im Jahr 2003 einen Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Dollar.

Der amerikanische Pharmakonzern geriet im Herbst 2004 mit dem Vermarktungsstopp seines damaligen Kassenschlagers Vioxx in die Schlagzeilen. Grund für den Rückzug, der die Pharmabranche erschütterte, war eine Studie, die zeigte, dass bei Patienten, die das Schmerzmittel mindestens 18 Monate lang eingenommen hatten, ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko bestand. Zehntausende ehemalige Vioxx-Patienten und Versicherungen verklagten das Unternehmen daraufhin auf Schadensersatz.

Eine Einigung könnte jetzt zwar noch scheitern, dies sei aber unwahrscheinlich, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Anwälte. Die Einigung ist erst dann endgültig, wenn sich 85 Prozent der Kläger bereiterklären, ihre Klage fallenzulassen. Analysten hatten erwartet, dass eine Einigung Merck bis zu 50 Milliarden Dollar kosten könnte, nachdem der Konzern den ersten Einzelprozess verloren hatte. Danach waren jedoch weitere Einzelklagen abgewiesen und zugunsten von Merck entschieden worden.

Vioxx gehört wie Prexige des Schweizer Pharmakonzerns Novartis   zu der Wirkstoffklasse der sogenannten Cox-2-Hemmer, die als wesentlich magenschonender angesehen werden als ältere Produkte. Cox-2-Hemmer sind jedoch nicht erst seit dem Marktstopp von Vioxx umstritten, weil sie das Risiko für Herzkreislaufprobleme erhöhen sollen. Im Frühjahr lehnte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung des Vioxx-Nachfolgemedikaments Arcoxia ab. Auch Novartis wurde im September in den USA die Zulassung für Prexige von der FDA untersagt. Mitte August hatte Novartis das Medikament nach zwei Todesfällen in Australien vom Markt genommen.

kaz/Reuters/dpa-AFX

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