Vodafone 50-Milliarden-Coup empört Finanzministerium

Die Nachricht, dass der britische Mobilfunker Vodafone den Wertverlust seiner deutschen Tochterfirma an der Börse nutzen will, um Steuern in Milliardenhöhe zu sparen, hat helle Empörung ausgelöst. Das Bundesfinanzministerium kündigte eine eingehende Prüfung an.


Vodafone-Zentrale in Düsseldorf: Bis zu 25 Milliarden Euro weniger Steuern
DPA

Vodafone-Zentrale in Düsseldorf: Bis zu 25 Milliarden Euro weniger Steuern

Düsseldorf/Berlin - Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sprach von einem befremdlichen Vorgang: "Die ganze Sache hat ganz klar einen sehr faden Beigeschmack", sagte er. "Es kann nicht sein, dass am Ende der deutsche Steuerzahler dieses Geschäft bezahlen soll - inklusive der Tantiemen und Abfindungen für die beteiligten Manager.»

Die Grünen forderten ein zügiges und scharfes Vorgehen der Finanzbehörden. "Es kann nicht angehen, dass Fantasiekurse für Aktienpakete durch Abschreibungen zu solchen gigantischen Steuerausfällen führen", sagte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Scheel, am Samstag in Berlin.

Nach Berichten des Berliner "Tagesspiegels" und des Bonner "General-Anzeigers" will Vodafone nach dem Kauf von Mannesmann im Jahr 2000 aufgrund von Teilwertabschreibungen von rund 50 Milliarden Euro Steuerersparnisse in Milliardenhöhe geltend machen. Aus Aufsichtsratskreisen von Vodafone sei ihnen bestätigt worden, dass bei den Finanzbehörden der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Abschreibungen in dieser Höhe geltend gemacht wurden. Ein Sprecher des NRW-Finanzministeriums wollte den Vorgang am Samstag weder bestätigen noch dementieren: "Zu Steuerverfahren nehmen wir grundsätzlich keine Stellung."

Sollte Vodafone die Abschreibungen in dieser für die deutsche Wirtschaftsgeschichte einmaligen Größenordnung durchsetzen, würde der Mobilfunkkonzern eine Steuerersparnis von bis zu 25 Milliarden Euro erreichen.

Grünen-Finanzexpertin Scheel sieht die Politik von Union und FDP als Ursache für die absurde Steuerregelung. Der Fall zeige, wie falsch es gewesen sei, dass Union und FDP sich jahrelang gegen eine Mindeststeuer bei Gewinnen gewehrt haben. Nach den von Rot-Grün durchgesetzten Neuregelungen könnten Verlustvorträge nur noch begrenzt verrechnet werden, sagte Scheel. Damit müssen Konzerne vom 1. Januar 2004 an wenigstens 40 Prozent ihrer Gewinne versteuern. Sie könnten sich somit nicht mehr auf Null rechnen.

Das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone hatte Mannesmann zum Jahreswechsel 1999/2000 nach einer dramatischen Übernahmeschlacht für knapp 200 Milliarden Euro übernommen. Damals wurde den Mannesmann-Aktionären allerdings kein Bargeld, sondern ausschließlich Vodafone-Aktien im Gegenwert von 353 Euro angeboten. Das auf diese Weise erworbene Aktienpaket wurde von einer Luxemburger Vodafone-Tochter kurz vor Weihnachten 2000 für insgesamt 146,928 Milliarden Euro an die deutsche Vodafone GmbH verkauft, was einem Kurs von 309 entspricht.

Schon ein Jahr später hatte die deutsche Vodafone-Gesellschaft diesen Kurs als völlig überhöht bezeichnet und ihn auf rund 200 Euro abgeschrieben, was einem Buchverlust von annähernd 50 Milliarden Euro entspricht. Diesen Verlust versuche Vodafone jetzt im Rahmen von Teilwertabschreibungen gegen seither angefallene Gewinne zu stellen.



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