Vodafone Europa-Chef geht plötzlich

Nur wenige Monate führte Bill Morrow das Europa-Geschäft von Vodafone. Nun verlässt der Hoffnungsträger überraschend den weltgrößten Mobilfunker - aus "familiären Gründen", wie es heißt. Der Abgang ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für CEO Sarin.


London - Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt ist der Europa-Chef von Vodafone Chart zeigen, Bill Morrow (46), zurückgetreten. Morrow verlasse das Unternehmen aus "familiären Gründen", teilte die Gesellschaft in London mit. Interimsnachfolger für das Kerngeschäft wird Deutschlandchef Friedrich Joussen. Die Suche nach einem Nachfolger laufe bereits.

Bill Morrow: Seit zehn Jahren arbeitet er für Vodafone

Bill Morrow: Seit zehn Jahren arbeitet er für Vodafone

Morrow war rund zehn Jahre bei Vodafone und in dieser Zeit unter anderem für das Geschäft in Großbritannien und in Japan zuständig. Er und CEO Arun Sarin kennen einander aus gemeinsamen Tagen beim US-Mobilfunker Airtouch, den Vodafone 1999 übernahm.

Im April hatte ihn Sarin zum Vorstand für Europa benannt, Morrow galt intern damit als die Nummer zwei. Morrow sollte durch Einsparungen die Rentabilität erhöhen.

Die Personalie Morrow ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für CEO Arun Sarin. Auf der Hauptversammlung morgen muss er mit einer Revolte rechnen. Mehr als zehn Prozent der Aktionäre wollen sich nach Presseberichten gegen die Wiederwahl Sarins stellen. Die Fondsgesellschaft Morley Fund Management, die mit zwei Prozent der sechstgrößte Aktionär von Vodafone ist, wirft Sarin strategische Trägheit, eine schlechte Kursentwicklung und mangelhafte Kommunikation vor.

Gegen die neuen Regelungen bei den Aktienoptionsplänen für die Vorstände werde die Ablehnung sogar bei rund 15 Prozent liegen, heißt es außerdem in einem Bericht des "Sunday Telegraph". Eine solch hohe Ablehnung bei wichtigen Punkten sei bei einem großen britischen Unternehmen beispiellos. Es spiegele die Zweifel an Sarins Kurs wider. Dennoch werde er wohl wieder gewählt, da sich Vodafone der Unterstützung der größten Anteilseigner sicher sein könne, hieß es in dem Bericht.

Optimistischer Ausblick

Wenigstens konnte der Konzern heute mit relativ guten Kundenzahlen aufwarten. Rund 4,5 Millionen Kunden gewann Vodafone im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2006/2007 weltweit hinzu, 100.000 mehr als Analysten im Durchschnitt prognostiziert hatten. Insgesamt zählt der nach Umsatz weltgrößte Mobilfunkanbieter damit nun 186,8 Millionen Kunden, davon 29,4 Millionen in Deutschland. Hier legte Vodafone D2 von April bis Juni mit 250.000 neuen Nutzern spürbar zu.

Milliardenschwere Firmenwert-Abschreibungen vor allem in Deutschland, wo Vodafone Anfang 2000 in einer spektakulären Übernahme Mannesmann für 170 Milliarden Euro gekauft hatte, bescherten den Briten allerdings im abgelaufenen Geschäftsjahr noch tiefrote Zahlen. Insgesamt kämpft Vodafone in seinen europäischen Kernmärkten weiter mit einer starken Konkurrenz. Die zunehmende Verbreitung von Handys und sinkende Mobilfunkpreise machen sich im Umsatz bemerkbar. Auch sinken die Gebühren, die die Mobilfunkanbieter zur Durchleitung von Gesprächen verlangen.

Im gesamten Geschäftsjahr bis Ende März 2007 erwartet Vodafone trotzdem weiter ein organisches Umsatzwachstum zwischen fünf und 6,5 Prozent. Im ersten Quartal hatte es 6,4 Prozent betragen. Die operative Umsatzrendite soll indes um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr.

Doch der Blick der Anleger richtet sich auf das Europa-Geschäft - und da hapert es: Im ersten Quartal sank der durchschnittliche Umsatz pro Kunde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Deutschland um neun Prozent, in Italien um 9,2 Prozent, in Spanien um 2,5 Prozent und in Großbritannien um 3,7 Prozent. "Der Umsatzrückgang in den Kernmärkten Europas bleibt ein Grund zur Besorgnis. Der Trend ist aber etwas besser, als wir erwartet hatten", sagte Analyst Christian Maher von Investec Securities.

Die deutsche Tochter setzt bei ihrem weiteren Wachstum vor allem auf den neuen Mobilfunkstandard UMTS, um etwa umsatzträchtige Datendienste zu verkaufen. Mittlerweile zähle Vodafone D2 2,3 Millionen UMTS-Kunden, sagte Joussen. Der Anteil der Datendienste ohne Kurz- und Bildnachrichten mache 6,7 Prozent des Umsatzes aus. Mit UMTS sollen auch Festnetzminuten auf das Mobilfunknetz geholt werden. Bereits 900.000 Kunden nutzten das Angebot, zu Hause mit dem Handy zu Festnetzpreisen zu telefonieren, erklärte Joussen. Bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen es über zwei Millionen sein.

Die vorgelegten Zahlen brachten der Aktie in London Gewinne von rund 2,7 Prozent ein, nachdem die Papiere zuletzt wegen der deutlichen Kritik von Investoren an Sarin massiv an Wert verloren hatten.

ase/dpa/reuters/manager-magazin.de



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