Vogelgrippe-Geschäft Der Hühnertöter

Derk van Wijk wird fürs Töten von Geflügel bezahlt. Mit seiner Firma HKI hat er diverse Maschinen für die Massentötung riesiger Hühnerbestände entwickelt. Die Vogelgrippe bedeutet für ihn ein gutes Geschäft.

Wageningen - Derk van Wijks Humor ist gewöhnungsbedürftig. "Es fährt ein Zug nach nirgendwo", kalauert der Unternehmer, als er Videoszenen und Fotos seines ersten Großeinsatzes zeigt. Auf dem Laptop-Monitor wird gerade eine Horde Puten auf ein Förderband getrieben, das in einer Röhre verschwindet. Darin wartet hochdosiertes Kohlendioxid auf die Tiere.

"Sie schlafen ein, das ist die humanste Methode von allen", kommentiert van Wijk die Szene. Wie auf Befehl fährt auf dem Bildschirm ein Huhn vorbei, verbiegt den Hals nach hinten, öffnet einmal wie in Zeitlupe den Schnabel, dann bleibt der Kopf auf dem Rücken liegen. "Sie sehen, die flattern nicht mal."

Die 350.000 bis 400.000 Euro teure "AED Eco" - so heißt die mobile Tötungsanlage - werde wegen des Preises nur selten bestellt, sagt van Wijk. Er hat auch Günstigeres im Sortiment, bei 10.000 Euro geht es los. Außerdem hilft seine Zehn-Mann-Firma HKI mit Sitz im niederländischen Wageningen, Einsatzpläne gegen die Vogelgrippe zu erstellen und setzt sie gegebenenfalls auch um. Eine halbe Millionen Hühner könnten so in zwei Tagen professionell umgebracht werden, garantiert er etwa dem Landkreis Grafschaft Bentheim. Van Wijk würde dann mit Hunderten Helfern anrücken.

Sein Geschäft blüht. 30 bis 40 Anlagen habe er allein in den vergangenen sechs Monaten verkauft, sagt er - so viele wie sonst in einem Jahr. Nach Spanien, Belgien und Deutschland liefert er seine Apparaturen. Meistens engagieren ihn Behörden oder Gemeinden, auch Verbände oder Großbetriebe gehören zum Kundenstamm. Selbst in China hat van Wijk mehrere Monate in Vogelgrippe-Fragen beraten.

Dabei sei er doch nur ein "kleiner Hühnertöter", witzelt er und fügt schnell hinzu. "Man muss ein bisschen lustig sein, die Sache ist schlimm genug." Van Wijk kennt die Vorurteile gegen sein Geschäft. Tierschutzvereine lobten seine Methoden, sagt er deshalb mit nachdrücklichem Nicken. 

Die biologisch abbaubaren "Big Bags" lassen daran Zweifel aufkommen. In solche Riesen-Mülltüten werden lebende Puten und Hähne hineingeschmissen und vergraben. Für den asiatischen Markt genau das Richtige, erklärt van Wijk - weil dort viel Arbeitskraft aber wenig Geld zur Verfügung stehe. "Man kann auch CO2 in die Säcke zum Töten hineingeben", verteidigt er die Methode.

Tote Küken für die Falken

Letztendlich ist van Wijk Geschäftsmann, und das durch und durch. Er ist nicht nur Partner bei HKI sondern auch Mitbegründer einer Softwarefirma und eines Unternehmens, das mit Stromoptionen handelt. Damit verdient er immerhin so gut, dass er sich neben seinem Audi zwei Porsches und einen Alfa Romeo leisten kann, Baujahr 1964. Mit der professionalisierten Tierbeseitigung, die er auch für Schweine, Ziegen oder Schafe anbietet, hat er einen lukrativen und kaum entdeckten Markt gefunden. Seuchen wird es immer geben. Auf deren Bekämpfung spezialisierte Unternehmen seien dagegen rar, sagt van Wijk.

Allerdings sei die Geschäftsidee nicht aus dieser Überlegung heraus entstanden. Sein ehemaliger Partner, Harm Kiezebrink, habe eigentlich eine Methode gesucht, um die bei der Zucht von Legehennen unerwünschten männlichen Küken tierfreundlich zu töten, erklärt van Wijk. "Die wurden sonst geschreddert, ertränkt oder erschlagen", sagt van Wijk.

In der von Kiezebrink entwickelten Maschine, die aussieht wie ein riesiger Geschirrspüler, können rund 60 Ein-Tages-Küken im Kreis fahren und mittels geregelter CO2-Zufuhr "sanft entschlafen". Weil die Tiere ohne Stress sterben, eignen sie sich hervorragend als Futter etwa für Falken. Noch heute liefert HKI die Maschinen deshalb nach Saudi-Arabien, wo Falkenzucht das Lieblingshobby der Scheichs ist.

Heute ist der Kampf gegen die Vogelgrippe für HKI das Hauptgeschäft. Dafür hat das Unternehmen eine ganze Serie von Apparaturen im Angebot. "One size doesn't fit all", doziert van Wijk. Auf seinem Bildschirm erscheinen Aufnahmen vom Großeinsatz 2003 in Holland, als die HKI-Truppen rund 26 Millionen Tiere keulten und entsorgten. Schubkarren mit Bergen von Hühnerkadavern, Dutzende Helfer in Overalls und mit Mundschutz. Hühner werden kopfüber an einer Art Eisengarderobe aufgehängt und dann durch ein elektrisch aufgeladenes Wasserbad gezogen.

Die Vogelgrippe


"Meinen Kindern will ich das nicht zeigen", sagt van Wijk. Natürlich habe es bei den ersten Versuchen auch schlimme Szenen gegeben, fügt er fast ärgerlich an. Etwa als man einen ganzen Stall unter Gas setzen wollte, aber zu wenig einpumpte. Da machten die Tiere unheimliches Gezeter, "bei manchen musste man hinterher die Füße abschneiden, weil sie sich so fest an die Stange gekrallt hatten." Genau deshalb sei es wichtig, die Arbeit zu professionalisieren.

Auf den Firmenprospekt ließ van Wijk trotzdem lieber einen Falkenkopf drucken. "Man muss das ein bisschen schick verpacken."