Volksheld ohne Zahlungsmoral Wie Giuseppe Garibaldi Banker und Beamte prellte

Italiens Volksheld Giuseppe Garibaldi war nach neuen Erkenntnissen womöglich ein Kreditbetrüger. Außerdem soll er den Staat, den er selbst zu einen half, um Steuern geprellt haben.

Neapel - Der Held der italienischen Einigungsbewegung, nach dem in ganz Italien Straßen und Piazze benannt sind, war wohl ein dreister Schuldner. Bei der Öffnung des Archivs der alteingesessenen Banco di Napoli kam die Wahrheit ans Licht: Garibaldi hat offenbar Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts einen Kredit über 200.000 Lire aufgenommen und ihn nie zurück gezahlt.

Das ergibt sich zumindest aus einem Dokument, das Garibaldis Unterschrift trägt. Die Enthüllungen werfen ein neues Licht auf den Freiheitskämpfer, der 1860 von Genua aus Süditalien eroberte und damit den Weg für den heutigen italienischen Nationalstaat ebnete.

"Was wollt Ihr denn?"

Zu Garibaldis Zeiten waren 200.000 Lire eine immense Summe. Einem Bericht der Zeitung "Corriere del Mezzogiorno" zufolge entspräche der Kredit heute über einer Million Euro. Werden Zinsen und Zinseszinsen eingerechnet, erhöhen sich die Schulden um ein Vielfaches. Bei einem Jahreszins von zehn Prozent und einer Laufzeit von rund 140 Jahren wären aus den Schulden heute 624 Milliarden Euro geworden. Die Banco di Napoli würde sich wohl die Hände reiben, wenn sich das Geld noch eintreiben ließe.

Garibaldi soll den Kredit nicht für sich selbst, sondern für einen seiner beiden Söhne, Menotti, beantragt haben. Auch Menotti Garibaldi zahlte nichts zurück. Garibaldi senior rührte sich anscheinend trotz mehrfacher Zahlungsaufforderung nicht. Ganz im Gegenteil - ziemlich barsch und wenig heldenhaft wies er das Ersuchen der Bankangestellten ab: "Was wollt Ihr denn? Ich habe Euch befreit, war hier auch Befehlshaber, und Ihr wollt, dass ich einen Bankkredit zurück bezahle?" Bestimmte Gefälligkeiten schienen für ihn selbstverständlich zu sein.

Zu hohe Steuerlast

Doch damit nicht genug: Nach einem Bericht des "Messaggero" blieb Garibaldi dem Fiskus Steuern schuldig. Im Archiv des Kreditinstituts Monte dei Paschi di Siena ist ein Brief des Nationalhelden an die Steuerbehörde aus dem Jahre 1863 erhalten.

Darin bittet er den Steuereintreiber um Aufschub der an ihn gestellten Steuerforderungen - wieder auf recht lakonische Weise: "Signor Esattore, es ist mir unmöglich, die Steuern zu zahlen. Ich tue das sobald als möglich. Mit freundlichem Gruß." Leider ist nicht klar, wie die Geschichte endete. Aber beim Kredit der Banco di Napoli hatte Garibaldi ja schon schlechte Zahlungsmoral unter Beweis gestellt.

Historiker müssen sich wohl neben Garibaldis großen Verdiensten künftig auch mit seinem Finanzgebahren auseinander setzen. Vielleicht wird ja bald ein nicht zurück bezahltes Darlehen nach ihm benannt - "prestito garibaldino" (garibaldinischer Kredit) zum Beispiel.

Sascha Klein

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