Volkswagen 410 Millionen für indisches Werk

Nach jahrelangem Zögern ist der Einstieg von Volkswagen in den stark wachsenden indischen Automobilmarkt besiegelt. Rund 410 Millionen will der Autobauer in sein Werk nahe der Stadt Pune investieren - die größte deutsche Einzelinvestition in Indien jemals.


Neu Delhi - Das neue Volkswagen Chart zeigen-Werk nahe der Stadt Pune soll ab 2009 jährlich rund 110.000 speziell für den indischen Markt entworfene Fahrzeuge produzieren. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und Skoda-Chef Detlef Wittig unterzeichneten heute in Neu Delhi mit Vertretern des westindischen Bundesstaats Maharashtra ein Abkommen über die Investition. Es ist die größte deutsche Einzelinvestition in Indien jemals.

VW-Vorstand Pötsch (re.), Skoda-Chef Wittig (li.) mit indischen Geschäftspartnern: Auto soll für einen "sehr attraktiven Preis" verkauft werden
DPA

VW-Vorstand Pötsch (re.), Skoda-Chef Wittig (li.) mit indischen Geschäftspartnern: Auto soll für einen "sehr attraktiven Preis" verkauft werden

Für die 410 Millionen Euro werde das Wolfsburger Unternehmen eine komplette Produktionsstätte mit Presswerk, Karosseriebau, Lackierei und Montage bauen. In dem 230 Hektar großen VW-Werk sollen 2500 Arbeitsplätze entstehen. Ein Teil der Komponenten für den Fahrzeugbau solle aus Fabriken des Konzerns nach Indien geliefert werden. Ein "nennenswerter Teil" komme jedoch von örtlichen Zulieferern.

Aufgenommen werden soll die Produktion von VWs und Audis in Indien aber schon ab Mitte kommenden Jahres - zunächst im Skoda-Werk im Bundesstaat Maharashtra. Pötsch erklärte, dass dies ein Weg sei, wie VW lokal produzierte Fahrzeuge umgehend auf den indischen Markt bringen könne. Zunächst werde der Passat gefertigt, der in Indien 51.000 Euro kosten soll. Der Touareg und der Phaeton sollen als Importfahrzeuge zum Kauf angeboten werden. In naher Zukunft will der Wolfsburger Autohersteller außerdem laut Pötsch ein Fahrzeug entwickeln, das speziell an die Bedürfnisse des indischen Marktes angepasst ist. Das geplante Modell soll eine Fließhecklimousine auf dem bereits existierenden Polo-Modell sein.

Wittig kündigte an, dass die VW-Tochter Audi ab kommendem Jahr mit der Montage in Indien beginnen wird. Dabei soll zunächst der A6 montiert werden, gefolgt von weiteren Modellen. Audi ist seit Dezember 2004 auf dem indischen Markt vertreten und verkauft dort den importierten A4, den A6, die A8-Limousine und das TT Coupé. Laut Wittig wird Skoda Auto India im laufenden Jahr voraussichtlich 12.000 Fahrzeuge verkaufen. Dies seien 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Um die höhere Nachfrage befriedigen zu können, soll die Produktionskapazität in Aurangabad von bislang 12.000 Einheiten auf 15.000 bis 20. 000 Einheiten erhöht werden.

Auch Renault investierte in Indien

"Indien gehört zu den interessantesten Zukunftsmärkten der weltweiten Autoindustrie", begründete Pötsch die Investitionen. "Wir sind fest entschlossen, das sich bietende Marktpotenzial ohne Zeitverlust zu erschließen. "Indien mit einer Bevölkerung von rund 1,1 Milliarden Menschen ist die größte Demokratie der Welt. Im vergangenen Jahr wurden im Land 1,1 Millionen Autos verkauft. Diese Zahl soll sich Schätzungen zufolge bis 2010 verdoppeln. Anfang des Monats hatten bereits der französische Autobauer Renault Chart zeigen und sein indischer Partner Mahindra den Bau eines neuen Werks angekündigt, das bis 2012 eine halbe Million Autos herstellen soll, vor allem das Billig-Auto Logan.

Die Märkte in Europa und USA sind dagegen weitgehend gesättigt. Auch geringere Wachstumsraten in China will VW durch das Indien-Engagement aufgefangen. In Deutschland baut Volkswagen zurzeit 20.000 Stellen ab - ein Fünftel der Belegschaft in den sechs westdeutschen Werken. Der Konzern begründet den Schritt mit Überkapazitäten. Nach der Sanierung der westdeutschen Produktionsstandorte sollen weitere Einsparungen im übrigen Westeuropa folgen.

Anhaltende Übernahmefantasien haben unterdessen den Aktienkurs von VW in die Höhe getrieben. Der Kurs stieg am Vormittag um mehr als 4,5 Prozent auf rund 85,80 Euro. Allerdings wies VW-Großaktionär Porsche Chart zeigen in Stuttgart Marktgerüchte zurück, gemeinsam mit Beteiligungsgesellschaften eine Übernahme von Volkswagen zu planen. "Diese Gerüchte dementieren wir ganz klar", sagte ein Porsche-Sprecher in Stuttgart. "Wir werden kein Gebot für VW abgeben". Porsche halte nach wie vor 27,4 Prozent an VW und kaufe derzeit auch keine Aktien hinzu.

ase/AFP/dpa/Reuters



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