Volkswagen Büchelhofer verlässt überraschend den Vorstand

Innerhalb des Konzernvorstands bei Volkswagen sind die Konflikte inzwischen offen ausgebrochen. Erstes Prominentes Opfer: Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer.


Wolfsburg - Büchelhofer habe mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt, teilte Volkswagen mit. "Die Vertragsauflösung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die Vertriebspolitik des Konzerns", hieß es offiziell.

Schwieriges Verhältnis zu Pischetsrieder: Ausscheidender VW-Vorstand Büchelhofer
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Schwieriges Verhältnis zu Pischetsrieder: Ausscheidender VW-Vorstand Büchelhofer

Ein Nachfolger für den 60 Jahre alten Manager, der ebenso das Marketing von Volkswagen verantwortete, sei noch nicht benannt worden. Die VW-Aktie Chart zeigen baute nach der Mitteilung ihre Kursverluste aus und notierte am frühen Abend gut fünf Prozent im Minus bei rund 32,20 Euro.

Der gebürtige Österreicher organisierte jüngst vor allem die Expansion des Konzerns in Asien, insbesondere in China, wo VW Marktführer ist. Allerdings wird Büchelhofer in der Branche ein schwieriges persönliches Verhältnis zum erst seit einem Jahr amtierenden Konzernchef Bernd Pischetsrieder nachgesagt.

Die Schwierigkeiten haben offenbar bereits zu Büchelhofers Zeiten beim Münchner Autobauer BMW bestanden, den zu dieser Zeit Pischetsrieder führte. Auch damals zog Büchelhofer den Kürzeren und wechselte in den VW-Konzern. Differenzen innerhalb des VW-Vorstands, an denen Büchelhofer beteiligt war, gab es zuletzt unter anderem um den schleppenden Verkauf der neuen VW-Luxuslimousine Phaeton.

Dennoch kann man Büchelhofer kaum eine schlechte Amtsführung nachsagen. Unter seiner Regie zwischen 1995 und 2002 steigerte VW nach eigenen Angaben seinen Autoabsatz von rund 3,4 Millionen auf knapp fünf Millionen Fahrzeuge. Zugleich sei in diesem Zeitraum der Konzernumsatz von gut 39 Milliarden Euro auf knapp 87 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt.

Derzeit bekommt Volkswagen wie auch die weltweite Konkurrenz die schwache Konjunktur kräftig zu spüren. VW hat bereits angekündigt, dass auch 2003 mit einem Rückgang des Betriebsgewinns zu rechnen sei, falls die Autokonjunktur nicht anziehe. Bei der gegenwärtigen Konjunktur werde es sehr schwer, den operativen Konzerngewinn des Jahres 2002 von knapp 4,8 Milliarden Euro wieder zu erreichen, hatte Pischetsrieder jüngst eingeräumt. Erst 2004 sei ein besseres Ergebnis zu erwarten.

Dazu beitragen sollen vor allem deutlich Kostensenkungen. 2003 will Volkswagen seine Investitionen um zehn Prozent zurückfahren, um den Ertragsrückgang in diesem Jahr in Grenzen zu halten.



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