Volkswagen Die Marktanteile gehen flöten

Die schwache Autokonjunktur bremst VW aus. Im ersten Quartal 2002 brach der Umsatz ein, das Vorsteuerergebnis ging um fast ein Fünftel zurück.


Nischenmodelle helfen nicht aus Klemme: Neues VW-Modell Touareg

Nischenmodelle helfen nicht aus Klemme: Neues VW-Modell Touareg

Wolfsburg - Bernd Pischetsrieder scheint dies indes kalt zu lassen. Der neue VW-Chef hatte sich schon Mitte April auf der Hauptversammlung in Hamburg vom dort veröffentlichten Absatzrückgang um 6,8 Prozent wenig beeindruckt gezeigt. "Trotzdem ist für den Volkswagen-Konzern der weitere Ausblick besser, als die Marktprognose und das erste Quartal vermuten lassen." Er verwies unter anderem auf neue Modelle und Programme zur Kostensenkung.

Allerdings hält der Bayer die Ertragskraft des Konzerns in seiner Amtszeit noch für verbesserungsfähig: "Das Wichtigste wäre mir, wenn wir eine Organisation schaffen, die auch in einer ernsthaften Krise besser als unsere Wettbewerber verdient", sagte er kürzlich dem manager magazin. Ansätze dazu bieten die am Freitag von VW veröffentlichten Quartalszahlen: Der Umsatz ging im Vergleich zum ersten Quartal 2001 mit 5,4 Prozent auf knapp 21,27 Milliarden Euro weniger stark zurück als der Absatz mit 6,8 Prozent auf rund 1,18 Millionen Fahrzeuge.

Dazu habe auch der Trend zu höherwertigen Fahrzeugen und Ausstattungen beigetragen. Zudem lässt Pischetsrieder im Konzern wie zuvor bereits bei Seat die Lagerhaltung konsequent optimieren. Die Zahl der Händlerauslieferungen und der tatsächlich verkauften Fahrzeuge ist inzwischen nahezu identisch. Dementsprechend schaltete VW bei der Produktion einen Gang zurück und blieb mit 1,22 Millionen Fahrzeugen rund 13,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Wesentlich heftiger als der Umsatz sackte das Ergebnis vor Steuern ab, das mit 997 Millionen Euro um 19,9 Prozent unter dem Vorjahr, aber deutlich über dem vierten Quartal 2001 lag. Allerdings hinterließen Währungsabwertung und Restrukturierungskosten in Argentinien heftige Spuren. Ohne diese einmaligen Belastungen hätte das Ergebnis vor Steuern 1,05 Milliarden Euro betragen. Eine Rolle spielten auch höhere Vertriebskosten, die vor allem durch Aufwendungen im US-Markt um 83 Millionen auf 1,74 Milliarden Euro stiegen. Sie liegen laut VW aber weiter unter dem Niveau der Wettbewerber.

Der Weltmarktanteil von VW ging von 11,9 auf 11,5 Prozent zurück, in Westeuropa von 18,5 auf 17,4 Prozent. Am deutschen Markt verlor VW von 30,4 auf 29,3 Prozent. Das Unternehmen erklärte dies zum Teil mit der Markteinführung der neuen Modelle von VW Polo und Seat Ibiza, die bei den Zulassungszahlen noch nicht das Vorjahresniveau hätten erreichen können. In Nordamerika wurden aber in den ersten drei Monaten mit knapp 153.000 Fahrzeugen 4,2 Prozent mehr ausgeliefert.

Wichtiger als dieses Jahr dürfte für VW 2003 werden. Dann kommen nicht Nischenmodelle wie der Geländewagen Touareg oder der Luxuswagen Phaeton auf den Markt, sondern Kern-Angebote wie der Minivan auf Golfbasis, der neue Golf selbst oder auch die T5 genannte frische VW-Bus- und Transporter-Generation. Dann zeigt Pischetsrieders seine drei Prioritäten bei VW: "Das Produkt, das Produkt und das Produkt."



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